[Buch] Die Drachen der Tinkerfarm

Originaltitel: The Dragons of Ordinary Farm

Gebundene Ausgabe: 379 Seiten

Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (November 2009)

Teil einer Reihe, Band 2 erschien im Herbst 2010.

 

Zielgruppe: Vergleicht man das Cover der deutschen Ausgabe mit der Originalausgabe, so fällt direkt auf, dass man hier ein ähnliches Motiv, jedoch in anderem Kontext verwendet hat. Während die Originalausgabe noch recht „kindlich“ anmutet, so wirkt das deutsche Pendant eher den „großen“ Fantasybüchern zugehörig.

Und da sind wir auch schon bei dem, was das Buch ausmacht. Es ist ein Buch für Kinder und Jugendliche, aber, wie es bei vielen anderen Büchern dieser Kategorie der Fall ist, durchaus auch für Erwachsene lesenswert.

Hierbei handelt es sich um Fantasy, die in unserer Zeit angesiedelt ist, sprich in einem Amerika im Jahre 2009. Wer Tad Williams bereits kennt, weiß von seinen eher abseits der typischen High-Fantasy gestalteten Welten und hier haben wir es wohl auch mit so einem Exemplar zu tun. Wer moderne un-Harry Potter-artige Kindercharaktere absolut nicht ertragen kann, ist hier falsch, genausowenig findet man hier wohl weniger eine mittelalterliche Fantasywelt. Ich vermute stark, dass es auf ein Otherland in „Kindergröße“ hinausläuft…

Und dazu sei noch gesagt, dass das Buch sehr schöne Illustrationen aufzuweisen hat. Keine Weltkarten, sondern einfach hübsche Bildchen.

Inhalt:

Moderen, frisch geschiedene, vermutlich junge Mutter möchte ihre zwei Kinder über den Sommer loswerden, damit sie in einen Singleurlaub fahren kann. Zumindest wirkt es aus der Sicht der Kinder recht herzlos, da sie doch absolut keine Lust darauf haben, zu Verwandten abgeladen zu werden. Lucinda, vermutlich 12 bis 13 Jahre alt (im Stadium des Popstar-Anhimmelns) und ihr Bruder Tyler, der wohl irgendwie im spätkindlichem Alter angesiedelt sein dürfte (hier sind Mädchen noch bäh und Gameboys das beste), müssen aber dann doch fahren. Wie durch Zufall meldet sich ein verschollener Großonkel, der die zwei auf seine Farm einlädt. So müssen die zwei Kinder zwar nicht zu den unbeliebten Verwandten, sondern landen beim unbekannten Großonkel. Ja, es ist schon merkwürdig, dass sie zu einer gänzlich fremden Person über den ganzen Sommer weggeschickt werden.

Die Farm wirkt wohl wie ein typisches riesengroßes amerikanische Anwesen aus Edgar Allan Poes Zeiten. Zumindest mich hat die Beschreibung stark an „The Fall of the House of Usher“ erinnert.
Wie der Buchtitel verrät, scheinen hier auch Drachen involviert zu sein. Mehr möchte ich auch nicht verraten.

Aufbau:

Wer Tad Williams kennt, kennt sein größtes Problem. Die ersten 200 Seiten einer Reihe sind meistens sehr langatmig und langweilig angelegt. Auch hier ist das der Fall. Nach einem bestimmten Erlebnis wendet sich allerdings die Perspektive und die Erzählung kriegt gleich mehr Farbe. Bei Tad Williams lohnt es sich durchzuhalten, denn hinterher ruft die Erinnerung an diese 200 Seiten meist eine „aha, deswegen war das so“-Effekt hervor. Zumindest bei mir!

Fazit:

Es ist kein typischer Tad Williams. Natürlich nicht, da auch seine Frau mitschreibt und jene eher im Bereich der Kinderbücher unterwegs ist. Kinder als Hauptcharaktere sind nichts ungewöhnliches für Tad Williams, hier darf man gespannt sein, ob die ganze Reihe auch das Erwachsenwerden der Hautpcharaktere darstellen wird. Aber das ganze Buch scheint gekönnt den Spagat zwischen einfacher Erzählung für Kinder/Jugendliche und dichter Geschichte für „Erwachsene“ zu vollführen.

Tad Williams Fans sollten es versuchen und Neulinge sich erst am Ende des Buches ein Urteil bilden.

[Film] Kairo/Pulse (2001)

Jahr: 2001

Regie: Kiyoshi Kurosawa

Land: Japan

Zunächst zum Titel: Ursprünglich als „Kairo“ (was laut Online Übersetzung Seeroute als auch Stromkreis heißen kann) in Japan rausgebracht, wurde der Film 2005 in den USA unter „Pulse“ veröffentlicht, und ja, es gibt auch ein US-Remake, aber das braucht man sich wirklich nicht anzutun, vor allem, weil Ian Somerhalder mitspielt (pfui bah). Und nicht vom komischen Untertitel „DIe Schwelle zum Tod heißt Wahnsinn“ irritieren lassen…

Worum gehts? Versetzen wir uns in das Jahr zurück, wo noch nicht jeder Internet hatte und wo wir uns per Telefon und lustigen Geräuschen noch einwählen mussten. Nun eigentlich hat das so gut wie gar nichts mit dem Film zu tun, aber ich fands trotzdem lustig und nostalgisch.

Zunächst finden wir zwei Storylines vor:

Student Kawashima, der sich zum ersten Mal ins Internet einwählt und dann schließlich von seinem PC terrorisiert wird, der sich selbst einwählt, eine mysteriöse Seite aufruft, die per Webcam Menschen zeigt, die ziemlich agonisch und depressiv vor sich hinleiden. Also so, wie man sich einen richtigen Internetjunkie vorstellt, nur das jene den typischen asiatischen Geistern ähneln.

Dann ist da Michi, die ihre Arbeitskollegen nach und nach verliert, sowie Anrufe erhält, wo Computerstimmen sie um Hilfe bitten.

Worum geht es nun wirklich? Da dies kein amerikanischer Streifen ist, wo einfach irgendwelche Geister durch das Internet die Welt infiltrieren, hat das ganze eigentlich eine ganz andere Bedeutung. Es geht um Einsamkeit. Nehmen wir ein Beispiel an Kawashima, der Student ist, nix mit Computer am Hut hat, aber sich aus Gruppenzwang doch in die Internetwelt begeben will…“to connect with others“. Und was kann einsamer machen als das Internet?

Zu den Horrorqualitäten: Wer asiatischen Horror mag, wird einiges finden, wer amerikanischen Horror mag, wird nichts finden. Asiatische Geister sind meistens schattenhafte verschwommene Menschengestalten und bewegen sich recht stockend.

Fazit: Netter Film, auch wenn einige Dialoge etwas dumm waren, zu pathetisch und schon fast soap-artig. Aber ja, die Gesamtatmosphäre hat es ins sich. Stille Einsamkeit die so schleichend einkehrt, das man sie erst bemerkt, wenn es zu spät ist.