[Buch] Arkadien Brennt (Arkadien 2)

Zunächst einmal möchte ich das wirklich schöne Cover loben! Die filigranen Muster, die Tierschemen und der Feuerhimmel passen einfach wunderbar!

Nach den Ereignissen in „Arkadien brennt“, treffen wir hier erneut auf Rosa und Alessandro, die beide nun als Clanführer ihre Wege bestreiten müssen. Doch dies scheint nur einer Teil ihrer eigentlichen Probleme zu sein, so gilt es noch immer herauszufinden, was diese ominösen Schlangen- und Pantherstatuen mitten im Ozean zu suchen haben, wer hinter der – den Arkadiern offenbar feindlich gesinnten – Organisation „Tabula“ steckt und schließlich bleibt da noch Rosas Vergangenheit, der sie sich stellen will und muss.

Rosa reist also zurück in ihre alte Heimat, nach New York, in der Hoffnung, durch ihre Mutter etwas von Tabula zu erfahren. Doch schnell kommt es anders, als es kommen sollte. Ein Video taucht auf, welches Rosa Vergangenheit vollkommen zerwühlt und alte Wunden aufreißt. Die Suche nach ihrer ehemaligen Freundin Valerie bringt sie schließlich in einen Nachtclub und so spinnen sich zahlreiche Fäden und Verknüpfungen, die alle in einem großen Knubbel aus Geheimnissen, Verrat und Intrigen verhaken.

Diese Verknüpfungen wirkten teilweise etwas zu zufällig. Besonders die Begegnungen im Club haben mich doch stutzen lassen, ob in einer Millionenstadt wie New York es wirklich so viele Zufälle gibt. Letztendlich werden dann im Laufe der Handlung viele Fäden entworren und die Geschichte zu einem Gesamtkonstrukt verknüpft, allerdings mutet es dennoch aus erzähltechnischer Sicht teilweise abenteuerlich an. Was ebenso von Rosa und Alessandro in einer kleinen Rekapitulationsszene herrlich kommentiert wird, man befände sich in einem Dan Brown Roman. Das stimmt den Leser doch wieder gutmütig über die viele Zufälle, die keine sein können.

Recht gut gelingt es Meyer, hier zwei Erzählungen zu präsentieren. Die „kleinere“ Geschichte um Rosa, Alessandro und einen feindlichen Teil der Carnevares, findet ebenso Platz wie die größere bändeübergreifende Erzählung um die Arkadier, Tabula und den Hungrigen Mann. Mittendrin ein verzweifeltes Liebespaar, welches mit ihren Hormonen, mehr als sonst für Teenager üblich, zu kämpfen hat. Die anderen verwandeln sich nämlich nicht bei jeder Gefühlsregung in Tiere.

Über die Schreibfähigkeiten des Autors lässt sich nichts sagen, außer, dass Kai Meyer hier wie gewohnt eine sehr schöne Sprache und Erzählweise präsentiert.

Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall lesenswert, auch wenn ich die „kleinere“ Geschichte nicht so spannend fand. Aber der zweite Band trug ja dazu bei, die Gesamthandlung weiterzubringen. In anbetracht dessen wirkt „Arkadien brennt“ wie ein Übergang. Der zweite Akt. Weitere wichtige Figuren sind vorgestellt, einige Wendungen (teilweise voraussehbar, teilweise überraschend) gab es auch und am Ende des Bandes ist der Leser mehr als bereit, um im dritten Akt wahrscheinlich die Katastrophe des Ganzen zu erleben. Ein „Übergangsbuch“ also, welches dennoch mit Mühe und Geschick konzipiert ist und nicht bloß als Lückenfüller dient.

Ich bin gespannt auf Band 3 und wie sich die Geschichte um Tabula weiterentwickelt!

 

[Buch] Dschinnland (Die Sturmkönige 1)

Die SturmkönigeDschinnland ist der erste Teil von Kai Meyers Trilogie „Die Sturmkönige“, spielt in einer für mich relativ unbekannte Welt um Zentralsasien, die Seidenstraße und das alte persische Reich. Ein kurzer Blick in Wikpedia veriet mir, dass Samarkand sowie Khorsasan tasächlich existieren. In diesen Region spielt die Geschichte um Tarik, seinen Bruder Junis und die geheimnisvolle Sabatea.

Am Tag seiner Geburt trug sein Vater ihn auf einem fliegenden Teppich hinauf in den Himmel – Tarik al-Jamal, der beste Schmuggler auf den Himmelsrouten des Orients. Keiner reitet einen Teppich wie er – bis er draußen im Dschinnland, den tödlichen Wüsten zwischen Samarkand und Bagdad, seine große Liebe Maryam verliert. Gebrochen und einsam verdingt sich Tarik bei illegalen Teppichrennen. Doch dann will sein jüngerer Bruder Junis die mysteriöse Sabatea durchs Dschinnland nach Bagdad bringen. Tarik fürchtet um ihr Leben – und stellt sich einmal mehr den Geistern seiner Vergangenheit. Eine mörderische Jagd durch die Wüste beginnt, eine Odyssee auf fliegenden Teppichen, mitten in den Krieg zwischen Dschinnen und Sturmkönigen.

Ich muss gestehen, dass Geschichten, die im orientalischen Bereich spielen, so überhaupt nicht mein Geschmack sind. Aber da mir schon „Arkadien brennt“ recht gut gefallen hat, habe ich einfach mal zu einem weiteren Buch von Kai Meyer gegriffen.

Dschinne. Diese unterkörperlosen Geisterwesen, die in Flaschen wohnen und Wünsche erfüllen. Ja, irgendwie ist meine Vorstellung da erheblich von Disneys Aladdin geprägt, was wohl etwas weit entfernt vom tatsächlichen Mythos um diese Wesen liegt. Kai Meyer präsentiert hier eine Welt, deren Wurzeln sowohl in der Realität liegen, als auch in den orientalischen Mythen und Erzählungen. Jedoch wird dies mit einer eigenen Vorstellung verknüpft und somit eine neue Welt erschaffen. So sind die Dschinne hier das Produkt eines „Magie-Unfalls“, zwar auch schwebend und ohne Unterkörper, allerdings überhaupt nicht gewillt, den Menschen Wünsche zu erfüllen, sondern eher eine grausame Rasse, die Samarkand abgeschirmt hat und die Wüste, welche jene Stadt und Bagdad verbindet, vollkommen kontrolliert. Es werden auch neue Wesen eingeführt und mythische Wesen etwas anders dargestellt, als man es kennt. Insgesamt eine sehr gute Mischung aus Altbekanntem und Neuem! Keine Sorge, der Leser wird nicht von der fremdartigen Welt erschlagen, sondern langsam herangeführt.

Die Geschichte kommt schnell in Fahrt, nach einigen Seiten befindet sich der Leser schon mitten in dieser tödlichen Wüste und wird immer tiefer in die Wirren der Kämpfe zwischen Menschen, Dschinnen und Sturmkönigen gezogen. Ebenso bleibt ständig die Frage, was es jetzt nun eigentlich mit Sabatea auf sich hat, die ständig darauf drängt, nach Bagdad zu eilen. Welche Geschäfte muss sie da so dringend erledigen?Und wer sind die Sturmkönige, die für diesen Teil Trilogie immerhin Titelgeber sind?

Der Sprachstil ist auf sehr hohem Niveau, ich konnte keine störenden Schnitzer feststellen. Anhand der flüssigen Erzählung und der schönen Erzählweise war ich immer in der Geschichte gefangen, schon von den ersten Seiten an. Besonders gut hat mir die Darstellung der Dschinnen als sehr bösartige Wesen gefallen und die Lust darauf geweckt, mich mal etwas in die arabischen Mythen einzulesen.

Das Buch ist meiner Meinung nach für Jugendliche ab 14 Jahren empfehlenswert, es gibt eine recht erotische Szene und an einigen Stellen wird es ziemlich grausam, was mich persönlich an (nicht von Disney zensierte) Märchen oder ältere Mythen erinnerte. Ebenso empfehlenswert auch für Erwachsene und für alle, die ein Fantasybuch abseits eines phantastischen europäischen Mittelalters suchen oder sich schon sowieso für arabische Mythologie und 1001 Nacht interessieren.

[Buch] Arkadien Erwacht (Arkadien 1)

Etwas irritiert war ich von dem Aufkleber „Fantasy/Sci-Fi“ als ich das Buch auslieh. Von Kai Meyer hatte ich bis dato nichts gelesen und ich glaube, das wäre hier auch meine erste (moderne) deutschsprachige Fantasy.

Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine schnöde Liebesgeschichte á la Romeo und Julia, zwei Teenager aus verfeindeten Mafiafamilien, mitten in Sizilien. Rosa, ein freches Gothikmädel, und Alessandro, der gut aussehende und smarte Sohn eines Mafiabosses. Naja, erinnert mich irgendwie an Twilight, auch wenn hier Rosa eher als Anti-Bella fungiert. Etwas übertrieben wirkt sie, aber welch Jugendlicher tut das nicht. Alessandro scheint etwas zu aalglatt und man lernt seinen Charakter im Laufe der Erzählung eher weniger kennen, aber mal sehen, ob in Band 2 sein Charakter etwas „runder“ wird.

Sehr angenehm fand ich, wie behutsam der Leser an die Fantasy-Thematik rangeführt wird. Alles beginnt mit kleinen Andeutungen und Vermutungen, die Auflösung des Rätsels kommt relativ spät im Buch, was den Fantasyteil der Erzählung authentisch und real erscheinen lässt.

Am Erzählstil und der Sprache gibt es absolut nichts zu meckern, ein großer Dank geht an den Autor Kai Meyer, der diese Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive verfasste, obwohl es sich anbieten würde, da die Erzählung stets um Rosa zentriert ist. Aber ich persönlich finde die meisten Ich-Erzählungen langweilig, unnötig und irgendwann nur noch nervtötend.

Besonders hat mir gefallen, dass Meyer viele Situationen beschreibt, wo die Geschichte deutlich anders verläuft, als man es sonst kennt oder erwartet. Rosa handelt authentisch, der Autor zwingt sie nicht in Verhaltensmuster rein, nur um eine einfachere Geschichte zu erzählen. Allerdings wirkt Rosa manchmal zu keck und der Ablauf der Gesamthandlung zu einfach. Naja, aber es ist ein Jugendbuch, und daher passt es schon.

Mein Fazit: Sehr flüssig zu lesen und fesselnd. Die Fantasygeschichte ist nicht ganz neu, aber die zugrundelegenden Mythen sind erfrischend anders. „Arkadien erwacht“ hat deutlich seine eigene Note und ich bin schon gespannt, wie es weitergeht in Band 2. Was den „Sci-Fi“ Anteil betrifft, kann man sich gegen Ende des Bands schon einiges denken, mal sehen, ob es doch anders kommt als erwartet.

Ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher von Kai Meyer lesen, und wenn man weiß, wie extrem kritisch ich mit deutschen Autoren bin, der weiß, welch ein Kompliment das ist.