[Spiel] Pandemic Legacy Season 2

Spoilerfrei: Etwa zur gleichen Jahreszeit haben wir vorletztes bzw. letztes Jahr Pandemic Legacy Season 1 mit Freunden gespielt und im Februar 2017 beendet. Unsere Erwartungen waren anfangs nicht sehr hoch, als leidenschaftliche Brettspieler tut man sich schwer damit, Spielmaterial zu zerstören. Aber Pandemic Legacy konnte uns dann überzeugen und mitreißen. Die Spielmechanik wurde um passende Regeln und Material erweitert, ähnlich wie man es von einer normalen Erweiterung erwartet. Die grundlegende Geschichte um das Besiegen von weltweiten Epidemien erhielt die epischen Ausmaße einer Fernsehserie, insgesamt sind mir drei Wendepunkte im Kopf hängen geblieben, die für tolle Spielmomente sorgten. Ähnliches erwartete ich auch von Staffel 2: eine mitreißende Geschichte und eine Erweiterung der Grundmechanik. Leider versagt die zweite Staffel an beiden Stellen total.

Was zu Beginn bekannt ist: das Spielbrett ist nicht komplett aufgedeckt. Jeder kann sich denken, dass es im Laufe der Zeit mit Stickern bestückt wird. Die zweite Staffel kostet 60 bis 70 Euro, die erste nur 40 bis 50 Euro. Dementsprechend erwartete ich auch irgendeinen Mehrwert im Vergleich zur ersten Staffel. Aber nein, das Spiel ist den hohen Preis nicht wert.

Pandemic Legacy Season 2 hat eine andere Spielmechanik als das Grundspiel und Season 1. Anstatt Forschungszentren bauen die Spieler Versorgungszentren. Anstatt (Krankheits-)Cubes zu entfernen, muss man (Versorgungs-)Cubes setzen. Diese fungieren als Puffer und verschwinden, sobald im Epidemiedeck die entsprechende Stadt gezogen wird. Mit Epidemien hat das Spiel also nicht wirklich etwas zu tun. Die Versorgungscubes verschwinden nämlich, weil sogenannte „Hohle Männer“ sie klauen. Äh, ja, die Übersetzung aus dem englischen Original „hollow men“ ist wahrlich hohl.

Mit der Zeit wird die Spielmechanik so aufgeblasen, dass man kaum einen Überblick darüber hat, welche Aktionen man durchführen kann. Manches erscheint überflüssig und ist es letztendlich auch. Es werden Spielelemente eingeführt, die kaum Relevanz haben. Während in Season 1 die unterschiedlichen Aufgaben für Abwechslung sorgten, muss man bei Season 2 80% der Zeit die gleichen Aufgaben bewältigen. Es gibt keinen Wendepunkt im Spielstil wie bei Season 1 und auch der Wendepunkt in der schlechten Geschichte sorgte nur für ein müdes, desinteressiertes Lächeln.

Den negativen Höhepunkt bildete das Finale, das eine absurd schwere Aufgabe hat und so jeglichen Spielspaß nimmt. Und das heißt schon etwas, denn ich spiele andere kooperative Spiele wie Ghost Stories trotz des enormen Schwierigkeitsgrads sehr gerne. Wir wollten das Spiel eigentlich vorzeitig beenden, haben uns doch berappelt und gejubelt, als es – natürlich mit einer Niederlage – vorbei war.

Fazit: Spart euch das Geld. Season 1 ist auf jeden Fall sein Geld wert. Und: man kann es vor und nach dem Durchspielen noch als normales Pandemic weiter benutzen. Season 2 ist wahrlich hohl und sein Geld nicht wert. Es hätte cool werden können, aber man hat sich weder über die Story noch über eine sinnvolle Erweiterung der Mechanik Gedanken gemacht, sondern einfach nur so viel wie möglich drauf geklatscht.

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