[Serie] Altered Carbon

Ziemlich hoch in der Hotness ist die neue Netflix-Serie Altered Carbon. Zeitweise wurde sie als Netflix‘ Game of Thrones bezeichnet und das verdarb mir schon fast die Lust darauf. Aber ich guck ja fast alles neue, wo Sci-Fi drauf steht. Selbst wenn es Cyberpunk ist, ein Genre, das mir meistens zu unkreativ und überdreht ist. Ein Game of Thrones ist die Serie zum Glück nicht. Anfangs wurde ich nicht so warm damit, aber im Laufe der Staffel gefiel mir die Serie trotz Cyberpunk-Thema immer besser. Am Ende war Altered Carbon ein kleines Serienhighlight und kann als gelungen betrachtet werden.

Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft, wo die Menschheit bereits andere Planeten besiedelt hat. Der Envoy aka Supersoldat Takeshi Kovacs wird nach 250 Jahren aus dem Eisschlaf geholt, in einem neuen Körper. Er soll einen Mordfall lösen. Der Auftraggeber: das stinkreiche Todesopfer. Wir befinden uns in einer Welt, wo das Bewusstsein auf einem 5cm großen Chip gespeichert werden kann. Solange dieser nicht zerstört wird, kann jeder Mensch beliebig von Körper zu Körper hopsen. Man muss nur das nötige Kleingeld haben.

Es brauchte für mich etwa vier Folgen, um mit der Serie warm zu werden. Kovacs wird von Joel Kinnamon gespielt, den ich aus The Killing kenne. Auch dort spielte er einen mürrischen, stillen Cop und ich fand es auch da schwierig, mit dem Charakter warm zu werden. Das bessert sich in Altered Carbon, sobald man mehr über Kovacs‘ Vergangenheit erfährt. Aber ob die Besetzung eine gute Entscheidung war, ist für mich fragwürdig. Mit dem weiteren Cast konnte ich mich sofort anfreuden: Kristin Ortega ist ein tougher Cop, die obsessiv Kovacs überwachen muss. Das Mordopfer Laurens Bancroft und seine Frau Miriam sind typische Repräsentanten einer privilegierten, superreichen Schicht (genannt Meths wie in Methusalem), die ob des vielen Geldes und der eigenen Unsterblichkeit eigene, kuriose Wege finden müssen, um mit der unendlichen Langeweile zurecht zu kommen.

Eine der Stärken von Altered Carbon: das Worldbuilding. Die Handlung spielt in Bay City, dem San Francisco der Zukunft. Die Meths wohnen in kilometerhohen Wolkenkratzern, der Rest tummelt sich irgendwo auf dem Boden. Der menschliche Körper ist lediglich eine Hülle, ein Sleeve, für die auf dem Chip befindliche „Seele“, die auch beliebig in digitalen Räumen wandeln kann. Die Menschen leben trotzdem nicht in einem digitalen Utopia, Bay City ist eine laute und dreckige Stadt und der soziale Aufstieg noch immer ein Traum vieler. Ebenso gibt es religiöse Strömungen, die sich gegen die „Vielkörperei“ aussprechen. Man sieht, die Digitalisierung löst keine Probleme. Kleine Anmerkung am Rande: ich fand es ganz toll, wie normal Bilingualität war. Ortega sprach mit ihrem Partner abwechselnd Englisch, Spanisch und Arabisch.

So ganz verstanden habe ich die Welt von Altered Carbon nicht, aber das hat den Seriengenuss nicht getrübt. Die Geschichte um den Mordfall ödete mich anfangs ziemlich an, aber als immer mehr lose Fäden zusammen getragen wurden, wurde es doch spannend.  Einer der Antagonisten wirkte auf mich etwas übertrieben durchgedreht, aber das kann die Geschichte auch verkraften.

Fazit: Gute, optisch ansprechende Serie, die einen hohen Binge-Faktor hat. Die Handlung ist in der ersten Staffel weitestgehend abgeschlossen. Trotzdem hoffe ich auf weitere Staffeln, nicht unbedingt mit dem gleichen Cast (nun, vielleicht doch mit meiner Lieblingsfigur Lizzy?), aber es wäre toll, mehr von der Welt von Altered Carbon zu sehen.

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