[Serie] Babylon 5

Manchmal reicht es in die Vergangenheit zu schauen, um eine neue Serienperlen zu entdecken. Zugegeben, ich hatte ziemliche Bedenken vor Babylon 5. Der Name klang irgendwie trashig und nach einem procedural. Ich befürchtete einen Klon der alten Star Trek Serien, die ich langweilig und etwas überbewertet finde. Aber zum Glück bewahrheiteten sich die Befürchtungen nicht. Babylon 5 ist erstaunlich gut gealtert, kann locker mit modernen Serien mithalten und ist dank der derzeitigen Fakenews-Ära sogar themenaktuell.

Babylon 5 lief von 1993 bis 1998 im US-Fernsehen. Entwickler und Produzent der Serie ist Joseph Michael Straczynski (JMS), dessen Serien Jeremiah und Sense 8 (in Kooperation mit den Wachowski-Schwestern) ich sehr mag.

Worum geht es? Wir befinden uns im Jahr 2257. Die Erde hat eine zentrale Regierung, die Menschen haben Kolonien im Sonnensystem und sogar Kontakt mit einigen außerirdischen Spezies. Es gab auch schon einen großen Krieg zwischen den Menschen und einer Alien-Spezies, den Minbari. Babylon 5 ist eine Raumstation (die fünfte ihrer Art), die irgendwo in der Galaxies liegt, also nicht in unserem Sonnensystem. Sie wird zwar von Menschen geführt, soll aber als neutrale und friedensstiftende Station dienen. Deswegen befinden sich unter den viertel millionen Einwohnern nicht nur Menschen, sondern auch diverse Aliens mitsamt ihren politischen Vertretern, den Ambassadors. Neben der menschlichen Crew der B5 spielen diese eine zentrale Rolle in der Serie.

Die Charaktere sind ähnlich komplex wie man es von einer heutigen Serie erwarten würde. Allerdings wird deren Komplexität in den kleinen Dingen sichtlich und verteilt sich über die ganze Serie. Es gibt keine „hau drauf“-Charakterstudien wie in Breaking Bad, trotzdem stellt man am Ende der Serie fest, dass die Charaktere eine ziemliche Entwicklung hinter sich haben. Mich hat überrascht, dass ich wirklich alle Charaktere irgendwie gern hatte. Selbst diejenigen, die mir anfangs unsympathisch waren, hatte ich am Ende ins Herz geschlossen. Bei einer Serie aus den 90ern muss man auch positiv betonen, dass es mehrere Frauencharaktere gibt, die klischeefrei und als normale Menschen (bzw. humanoide Aliens) dargestellt werden. Da wäre Susan Ivanova, knallharte erste Offizierin, die aber auch mit Problemen kämpft. Sie gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Außerdem ist da Delenn, Botschafterin der Minbari, die anfangs wie eine zarte Elfe wirkt, aber doch mehr drauf hat als man glauben mag. In späteren Staffeln wird eine weitere weibliche Figur sehr wichtig in der Geschichte.

Klar, Babylon 5 ist in puncto Diversität nicht perfekt. Insgesamt sind zu wenig Nicht-Männer zu sehen, die meisten Menschen sind weiß. Auch unter den Aliens hätte ich mir etwas mehr Diversität gewünscht. Dass die weiblichen Narn und Minbari sich durch Schminke von den Männern unterscheiden ist doch etwas langweilig. Da ist das bei den patriarchialischen Centauri interessanter gelöst: die Männer sehen wie Graf Dracula aus, ihre Haare sind zu einem Kragen geformt. Die Frauen haben Glatzen, bis auf einen Pferdeschwanz.
Aber ich bin mir sicher, dass der Autor JMS es heute deutlich diverser machen würde, klappt bei Sense 8 ja auch.

Babylon 5 ist eine besondere Serie. Man kann sie locker zu den Urmüttern des sogenannten quality tv zählen. Sie bleibt aber aufgrund ihrer Entwicklungsgeschichte wohl eine Ausnahmerscheinung: Babylon 5 war von Anfang an auf einen fünfjährigen Handlungsbogen ausgelegt, d.h. die Story war komplett geschrieben und sollte in 5 Staffeln erzählt werden. Und nicht „komplett geschrieben“ wie bei Game of Thrones, sondern wirklich. Ein Unterfangen, das heute nicht mehr möglich ist. Trotz einiger Schwierigkeiten ist dieses Konzept weitesgehend aufgegangen. So wirkt die erste Staffel recht leicht, lustig und mit wenig „roten Faden“. Trotzdem solltet ihr gut aufpassen, denn viele Elemente werden angeteasert und später wieder aufgenommen. Das endet irgendwann in tollen WTF-Folgen, wo absurde Elemente aus vorherigen Folgen plötzlich Sinn ergeben. Nur die letzten beiden Staffeln sind etwas chaotisch, weil JMS erst die Anordnung bekam, dass die 4. Staffel die letzte sei, dann aber doch eine 5. Staffel bekam. Aber das stört nicht großartig.

Fazit: Nach Battlestar Galactica ist Babylon 5 meine liebste Sci-Fi Serie. Klar, die Computeranimationen, die damals viel Lob einheimsten, sind heute veraltet. Die Aliens in ihren Kostümen wirken vielleicht etwas albern. Aber das Storywriting ist großartig und gefällt mir persönlich deutlich mehr als bei aktuelle Serien wie The Expanse oder Star Trek Discovery. Durch die politischen Themen der Serie, zum Beispiel einer fake-news-storyline, findet man viele Parallelen zu heutigen Zeiten. Aber was mir besonders gefällt ist ein Aspekt: Hoffnung. Dunkelheit und Verzweiflung ist derzeit angesagt bei Serien. Mir gefiel an Babylon 5, dass es im Großen und Ganzen positiv war. Es gab sehr schwere Momente, Folter, Tode. Aber trotzdem ist da immer dieser Funken der Hoffnung präsent, ähnlich wie bei Battlestar Galactica. Vielleicht ist doch nicht alles schlecht und vergebens, vielleicht lohnt es sich weiterzukämpfen? Bitte mehr Serien wie Babylon 5 🙂

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