[Buch] Dawn (Xenogenesis #1)

So eine intensive und aufwühlende Sci-Fi-Lektüre wie Dawn von Octavia E. Butler habe ich schon lange nicht gelesen. Bei dem Buch handelt sich um den ersten Teil der abgeschlossenen Trilogie Xenogenesis. Die Prämisse ist schnell erzählt: die Menschheit hat sich im nuklearen Krieg (USA vs. UdSSR) fast komplett ausgelöscht. Ein paar Menschen wurden von Aliens gerettet. Nach 200 Jahren Tierschlaf sollen sie die Erde wieder bewohnen. Doch die Rettung hat ihren Preis.

Dawn ist die erste Sci-Fi-Lektüre von Butler, wo Aliens eine Rolle spielen. Bisher kenne ich von ihr Kindred (Eine schwarze Frau reist unfreiwillig in die Zeit der US-Sklaverei zurück und rettet dort ein Kind – ihren weißen Uropa) und Earthseed (Dystopie, die sich auch mit dem Thema Rassismus beschäftigt). In Dawn spielen Aliens und ihre genetischen Manipulationen an den Menschen eine große Rolle. Auch wenn Rassismus nicht explizit Erwähnung findet, finden sich viele Motive aus slave narratives wieder und man kann Parallelen zu den Schicksalen von afrikanischen Sklaven ziehen, denen in den USA ihre Herkunft und kulturelle Identität geraubt wurde.

Protagonistin ist die junge schwarze Frau Lilith, die von den Aliens als Trainerin der menschlichen Siedler auserkoren wird. Während sie einerseits versucht, gegen die Pläne der Aliens anzukämpfen, muss sie sich mit dem stärker aufkommenden Hass ihrer Mitmenschen ihr gegenüber auseinander setzen. Die Exogenesis, die Fremdwerdung, nimmt ihren lauf.

Trotz der Nähe zu slave narratives ist Dawn keine Geschichte über Versklavung. Butler schafft es, dass die Aliens fremd und teilweise sehr abstoßend erscheinen, aber ihre Motive irgendwie doch verständlich sind. Das sind genau die zwei Punkte, die mir in anderen Erzählungen fehlten: Darstellung von echter Xenophobie – sowohl Menschen als auch Aliens haben Anfangs eine irrationale, tief gefühlte „Urangst“ voreinander, einfach weil sie so fremd füreinander sind.  Und eine plausible Erklärung für das Handeln der Aliens, die mir bei sonstigen Alienszenarien oft fehlt.

Fazit: Die conditio humana („Was ist der Mensch?“) spielt in Dawn eine wesentliche Rolle (bspw. werden Aspekte wie Gender oder Hierarchie behandelt). Die Erzählung hat also viel Tiefe, bietet jedoch einen einfachen Einstieg und wird nicht langatmig. Octavia E. Butler versteht es, wichtige und tiefgründige Themen in ein packendes Setting und eine spannende Erzählung zu verpacken. Dawn ist der erste Teil der Trilogie, aber weitestgehend in sich abgeschlossen. Man könnte es als erste Etappe einer Reise bezeichnen. Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Bände, die ich nun direkt im Anschluss lesen werden.

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