[Buch] Lock In

Lock In von John Scalzi liegt schon einige Jahre auf meinem Kindle, da ich mich nicht dazu überwinden konnte, einen Krimi anzufangen. Aber da ich keine ungelesenen Bücher mehr mit mir „rumschleppen“ will, war es nun an der Zeit mich zu überwinden. Zum Glück, denn die Lektüre fand ich – trotz der Krimianteile – sehr toll.

Inhalt, spoilerfrei: Vor ein paar Jahren grassierte eine schreckliche Epidemie. Ein Virus verursachte grippeähnliche Symptome, bei einigen Patienten führte die Erkrankung zum lock in, d.h. sie waren bei vollem Bewusstsein in ihrem bewegungsunfähigen Körpern eingesperrt. Die Krankheit wurde als „Haden’s Syndrome“ bekannt. Da sich unzählige Menschen ansteckten, boomte die Gesundheitsindustrie und ermöglichte es den Patienten – Hadens genannt – mithilfe von humanoiden Robotern wieder am Leben teilzunehmen. Auch Chris Shane nutzt so einen Roboter und tritt seine neue Arbeitsstelle beim FBI an. Er arbeitet dort in einer Sonderabteilung für Verbrechen, an denen Hadens beteiligt sind. Prompt wird er natürlich in einen großen Kriminalfall verwickelt…

Krimis mag ich noch immer nicht, aber die Kriminalgeschichte war für mich erträglich. Dafür fand ich die Welt in Lock In umso spannender. Scalzi zeichnet eine Gesellschaft, in der eine Minderheit von behinderten Menschen die kritische Masse überschreitet und dadurch an Einfluss gewinnt. So kommt es zu den nötigen gesellschaftlichen Veränderungen, die den Hadens Partizipation ermöglichen. Doch in der Zeit, wo der Roman spielt, sollen bald die Förderprogramme deutlich reduziert werden.

Man fühlt sich beim Lesen schnell an leidliche Diskussionen aus der Gegenwart erinnert, z.B. taucht auch die absurde Frage auf, ob Hadens nicht sogar bevorteilt werden. Mir fällt spontan kein Roman ein, der sich so mit „Gesundheitsthemen“ auseinander setzt und dabei auch noch den Spagat zwischen Sci-Fi und Realismus mühelos schafft.

Fazit: Am besten Gefallen haben mir die Sci-Fi-Elemente und die damit verbundene Gesellschaftsstudie. Der Kriminalfall war meiner Einschätzung nach gut durchdacht, hier spielte weniger die Suche nach dem Täter eine Rolle, sondern das „Wie?“. Die Hauptcharaktere Agent Chris Shane und Agent Leslie Vann waren typische coole, abgebrühte Leute, die man in so einem Setting erwartet. Alles in allem ist Lock In eine runde Sache und war durch die Krimielemente für mich mal ein anderer Ansatz für eine Sci-Fi-Erzählung.

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