[Buch] Dreams before the start of time

Die diesjährige Gewinnerin des Arthur C. Clarke Awards ist Anne Charnock mit der etwas mehr als 200 Seiten langen Erzählung Dreams before the start of time. Ich bin etwas erstaunt wegen der Seitenlänge, da der Roman gefühlt tausend Seiten dick war. Man hört es raus, ich bin nicht damit warm geworden. 

Worum geht’s? London in den 30er Jahren, also 2030er. Millie ist schwanger und wird wie von ihr gewünscht alleinerziehend sein. Toni ist ungewollt schwanger und hadert, ob sie Kind (und Erzeuger) behalten soll. Über Generation hinweg verfolgen wir die Geschichte dieser zwei Frauen und ihrer Nachkommen und sehen beispielhaft, wie sich der gesellschaftliche Bezug zum Thema Schwangerschaft ändert. Alleinerziehende Eltern sind nicht ungewöhnlich, ja sogar Kinder mit nur einem Elternteil möglich. Genetische Manipulation der Föten ist normal, irgendwann ist auch die Schwangerschaft außerhalb eines biologischen Körpers so normal, dass Frauen angegangen werden, wenn sie eine natürliche Schwangerschaft eingehen. Aber es gibt auch weiterhin Zweifel, ob die Bindung dabei nicht ganz so stark ist oder genetische „Superkinder“ überhaupt noch echte Nachkommen sind.

Ich hatte zwei Schwierigkeiten mit dem Roman: Schreibstil und Thema. Der ständige stream of consiousness der Charaktere hat mich extrem gestört, man springt von Gedanken zu Gedanken mit, aber trotzdem hatte ich nie das Gefühl, die Charaktere besser kennenzulernen. Was auch daran lag, dass die Perspektive ständig wechselte und auch eher belanglose Personen ein Kapitel bekamen. Wer schon mit den ersten Kapiteln hadert: es wird nicht besser.

Das Thema fand ich vom Klappentext her interessant. Aber merkte beim Lesen dann, dass hier ein emotionaler, persönlich betroffener Zugang von Vorteil ist. Mein einziger Bezug ist, dass für mich schon allein die Vorstellung schwanger zu sein purer Horror ist, aber andersherum ich eine externe Schwangerschaft in künstlicher Umgebung nicht generell als schlimme Vorstellung empfinde.

Der Roman bewertet die künstliche Schwangerschaft auch nicht, er ist keine Dystopie, sondern zeichnet eine mögliche, alles in allem positiv wirkend Zukunft.  Dreams before the start of time ist meiner Ansicht nach an eine Zielgruppe adressiert, die sich sowieso schon mit Themen wie Kaiserschnitt, Stillen, „natürliche Geburt“ auseinandersetzt und dabei wissenschaftliche Ansätze bevorzugt. Ich kann verstehen, dass der Roman den Award gewonnen hat, aber er schießt inhaltlich und stilistisch völlig an meinem Geschmack vorbei.

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