[Serie] Jane the Virgin

An Jane The Virgin habe ich auf Netflix immer einen großen Bogen gemacht, weder Titel noch Vorschaubild fand ich ansatzweise ansprechend. Und was ist das überhaupt für eine schräge Prämisse, dass eine junge Frau, die noch nie Sex hatte, aus Versehen durch künstliche Befruchtung schwanger wird? Bescheuerter geht’s ja nicht. Aber nach den Begeisterungsstürmen von zwei Freundinnen musste ich dann doch rein schauen und verlor mich in dieser Welt aus Telenovela, äußerst spaßiger Metafiktion und großartigen Charakteren.

Die Figurenkonstellation erinnert sofort an ein Gilmore Girls, das im lateinamerikanisch geprägten Miami spielt: Jane wohnt mit ihrer konservativen Großmutter Alba und ihrer leichtlebigen, jungen Mutter Xiomara zusammen. Natürlich gibt es hier mehr als genug Konfliktpotenzial zwischen katholisch-konservativen Lebenstil und dem American Way of Life. Wie der Titel der Serie schon vermuten lässt: Jane möchte bis zur Ehe mit dem Sex warten, sie ist Jungfrau. Dass ausgerechnet sie dann aus Versehen künstlich befruchtet wird, nun, das ist ja wie in einer Telenovela – so würde es der Erzähler ausdrücken, der die Zuschauerinnen mit amüsanten Kommentaren durch die Geschichte begleitet.

Einerseits haben wir einen klassischen Telenovela-Plot, es passieren ständig die abgedrehtesten Sachen – Morde, Hochzeiten, Böse Zwillinge. Andererseits nimmt die Geschichte immer wieder sich selbst und das Telenovela-Genre auf den Arm, sei es durch den Erzähler oder die Charaktere selbst. Die Serie nimmt sich nicht bierernst, verliert sich aber auch nicht in peinlichen Albernheiten (looking at you, deutsche Parodien).

Obwohl Telenovelas eher nicht für ihren feministischen Touch bekannt sind, schafft es Jane the Virgin ganz unaufgeregt eine feministische Serie zu sein und an vielen Stellen Klischees aufzubrechen, ohne belehrend zu wirken. Zum Beispiel fällt mir gerade auf, dass in der Serie niemals das Gewicht der Figuren thematisiert wird, auch nicht wenn Charaktere sich streiten und beschimpfen.

Hier ein paar Stichwörter, wieso ich die Serie mag:

  • Jane. Mit Gina Rodriguez einfach wunderbar gecastet <3 Jane ist aufstrebende Autorin, Streberin, Controllfreak, Romantikerin, ein bisschen Nerd. Obwohl es hier um einen abgedrehten Telenovela-Plot geht, wirkt Jane authentisch und wie jemand „aus dem echten Leben“, eine weibliche Figur, die ich noch immer in vielen Serien vermisse.
  • Rogelio. Selbstverliebter Telenovela-Star. Man muss ihn schon für seinen Klingelton lieben.
  • Abuela. Janes Großmutter. Sie spricht konsequent Spanisch und das finde ich großartig, weil so nunmal die Welt vieler multilingualer Familien aussieht.
  • Petra. Mein liebster Charakter.
  • Alles in der Serie ist blau-türkis. Kleidung, Wohnungen, Deko. Da möchte ich glatt nach Miami ziehen.

Fazit: Kennt ihr das, wenn Leute behaupten etwas ironisch zu gucken oder zu lesen, zum Beispiel Twilight oder Fifty Shades? Die Serie erinnert mich an dieses Phänomen. Der Spagat zwischen schnulziger Telenovela, Comedy und „klassischer Drama-Serie“ gelingt Jane The Virgin jedenfalls wunderbar. Und wer schon One Day at a Time mochte, sollte hier auch mal reinschauen. Bloß nicht von der Prämisse erschrecken lassen und sich einfach in den Bann ziehen lassen von diesen tollen Charakteren.

Die ersten drei Staffeln gibt es auf Netflix, die vierte Staffel ist bereits in den USA gelaufen und mit der fünften Staffel wird die Serie beendet, was ich in anbetracht des Plots ganz passend finde.

 

 

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