[Serie] Sex Education

Aufmerksam geworden auf die Serie bin ich dadurch, dass Gillian Anderson mitspielt und das ist natürlich ein Grund, zumindest mal reinzuschauen. Sie spielt dort die Sextherapeutin Jean, die alleine mit ihrem Sohn Otis lebt. Dieser ist unerfahren und eher ein Außenseiter, trotzdem gründet er mit der rebellischen Maeve eine „sex clinic“, in der er seine Mitschüler*innen zu ihren sexuellen Problemen berät. Gut, dass Gillian Anderson mitspielt, sonst hätte mich die Prämisse eher nicht zum Einschalten bewogen.

Was ich am interessantesten und gleichzeitig verwirrendsten fand: wo und wann spielt diese Serie? Gedreht wurde wohl im Süden von Wales, einer Gegend, die ich zumindest mal live gesehen habe. Moordale sieht aus wie ein generisches englisches Dorf, allerdings mit einer viel imposanteren Landschaft als in den meisten Gegenden Englands. Wobei ich mich auch gefragt habe, ob die Serie nicht doch im Osten der USA spielt. Was die Zeit betrifft: Ich war erst überzeugt, dass die Handlung in den 80er/90ern spielt, auch wenn ich den lockeren Umgang mit Homosexualität etwas komisch für diese Zeit fand, Otis‘ bester Freund Eric ist offen schwul und liebt schrille Kleidung. Dann tauchten aber doch Smartphones und moderne Laptops auf, als nix da mit 80er/90ern, auch wenn Otis‘ Kleidungsstil danach schreit. Letztendlich hat mir dieses generische, vage Setting ganz gut gefallen.

Asa Butterfield, der Otis spielt, kenne ich aus Ender’s Game und finde die Besetzung der Rolle ganz gut, wenn man darüber hinweg sieht, dass Asa 22 und Otis 16 ist. Emma Mackay als Maece und Ncuti Gatwa als Eric fand ich ebenso gut besetzt. Besonders Erics Figur und Entwicklung fand ich sehr spannend. Anfangs befürchtete ich noch, dass Eric der typische lustige schwarze Sidekick ist, aber zum Glück hat er dann relativ viel Storytime bekommen. Die Beziehung zu seinem Vater ist nicht so, wie man zunächst vermuten mag, aber schaut selbst rein. Auch seine afrikanische Herkunft (die Eltern scheinen Einwanderer zu sein) wird im Laufe der Serie thematisiert. Bei Erics Geschichte störte mich allerdings eine bestimmte Entwicklung in den letzten Folgen massiv, weil ich so etwas schon befürchtet hatte.

Auch andere Nebencharaktere wie Aimee, Jackson oder Adam sind interessant gezeichnet, Sex Education erinnert an eine softe Version der britischen Serie Skins. Und da wäre natürlich noch Gillian Anderson. Ich fand ihre Rolle im großen und ganzen witzig und gelungen. Man merkt, dass sie Spaß daran hatte. Anfangs störte mich massiv, wie übergriffig Jean ist und dass die Serie das scheinbar nur für Lacher bereit hält. Aber hier änderte sich irgendwann die Perspektive und Jeans übergriffiges Verhalten wird schließlich thematisiert und kritisiert.

Achso, da wäre noch die sex clinic, der Name ist bescheuert, letztendlich berät Otis in jeder Folge andere Mitschüler*innen und das wirkt nicht so doof, wie man anfangs befürchtet.

Fazit: Das Setting ist überraschend und eine nette Abwechslung zu den eher künstlich wirkenden US-Teenager-Serien. Von der Sexthematik her ist es doch tiefgründiger, gleichzeitig aber auch unaufgeregter als ich anfangs befürchtet hatte. Alles in allem ist Sex Education eine gelungene Serie, die insbesondere Fans von Skins gefallen könnte. Und ich hoffe auf eine zweite Staffel, weil ich gerne noch etwas mehr Hintergrundstory zu anderen Charakteren wie Anwar, Ola oder Ruby hätte.

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