[Buch] Autonomous

In einer Rezension zu den Murderbot Diaries auf Teilzeithelden.de wurde Autonomous erwähnt, da auch hier „sympathische Roboter auf dem Selbstfindungstrip allgegenwärtig sind.“ Das Buch war gerade für 99 Cent auf Amazon erhältlich und landet damit sofort auf meinem Kindle. Es ist der erste belletristische Roman von Annalee Newitz, die vorher zahlreiche Sachbücher, Essays und Kurzgeschichten veröffentlichte, außerdem als Journalistin und Herausgeberin tätig ist.

Autonomous springt zwischen zwei Erzählperspektiven. Da wäre Judith „Jack“ Chen, die Kopien von diversen Medikamenten herstellt und sie günstig ans Volk bringt, ein Robin Hood in der Welt von Big Pharma. Drogen/Medikamente sind Normalität geworden,  sie sollen unter anderem effizienter und gleichzeitig glücklicher machen. Doch dann sterben einige Menschen an Jacks kopierten Medikamenten. Ist ihr ein Fehler unterlaufen oder hat auch das Originalmedikament Nebenwirkungen, die die Hersteller verschweigen?

Eliasz ist im Auftrag des Militärs unterwegs und soll die Quelle der piratisierten Medikamente finden. Dabei hilft ihm der Kampfroboter Paladin. In der Welt von Autonomous haben Roboter sich zwar Grundrechte und Autonomie erstritten, jedoch geht der Freiheit eine mehrjährige indeture voraus, sie müssen kostenlos arbeiten, bevor sie ihren Autonomie-Schlüssel erhalten. Es folgte ein schlauer Zug vom kapitalistischen System: wenn Menschen und AIs gleichgestellt sind, dann müssen folglich auch Menschen ihre Freiheit erkaufen oder eben auch die indenture durchlaufen.

Paladin was a user of his own, concisousness, but he did not have owner privileges.

Für mich war der Roboter „auf Selbstfindungstrip“ der sympathischste Charakter in Autonomous. Paladin ist frisch gebaut und muss noch lernen, „seinen“ Menschen zu verstehen. Umso schwieriger wird es, als Eliasz beginnt, erotische/romantische Gefühle zu entwickeln. Wie diese Beziehung zu bewerten ist, obligt der Leserin, Newitz beschreibt und lässt den Charakter Elisasz machen, ohne seine (fragwürdigen) Handlungen zu bewerten. Diese ungewöhnliche Geschichte einer Beziehung zwischen Mensch und Roboter mit AI hat der Autorin auch viel Kritik eingebracht, wie man in den Rezensionen bei Goodreads nachlesen kann (Achtung, leichte Spoiler).

Jacks Geschichte fand ich interessant und spannend zu lesen, allerdings fiel es mir schwer eine Bindung zu ihr herzustellen, auch weil ich ihren Umgang mit einem jungen Mann, der aus der indenture floh, teilweise fragwürdig fand.
Info für alle auf der Suche nach LGBT-Charakteren: Jack ist nicht hetero, sie hatte sowohl zu einem Mann als auch zu einer Frau eine wichtige Beziehung, die in ihrer Hintergrundgeschichte erzählt werden.

Autonomous erzählt eine spannende Geschichte, der man gut folgen kann und die zugügig voran geht. Fast im Vorbeigehen wird die Welt vorgestellt und Themen rund um Big Pharma, AI und Autonomie behandelt, ohne dass die Leserin dafür besondere Kenntnisse mitbringen muss. Es ist herausragend, wie Newitz so viele Themen in einer kurzweiligen Geschichte, die grundliegend eine Verfolgungsjagd darstellt, unterbringen kann. Zurecht war der Roman 2017 für den Nebula Award nominiert. Ich kann Autonomous allen mit Interesse an den erwähnten Themen wärmstens empfehlen.