[Serie] Love, Death + Robots

Die Anthologieserie Love, Death + Robots läuft derzeit auf Netflix. Sie besteht aus maximal 20minütigen animierten Kurzfilmen, die sich grob mit den Themen im Titel beschäftigen. Die Serie wird produziert von Joshua Donen, David Fincher, Jennifer Miller und Tim Miller, die teilweise bei House of Cards oder Action-Filmen mitgewirkt haben. Das Besondere ist, dass jede Folge in einem anderen Stil animiert ist, sodass man mal reinschnuppern kann, ohne sich direkt einer mehrstündigen Serie zu verpflichten. Einige Folgen fand ich so gut, dass ich gerne eine ganze Serie davon gehabt hätte, andere Folgen waren hingegen nicht so berauschend und alles im allem hat die Serie ein Dude-Problem.

Hervorheben möchte ich ein paar Folgen, die mir gefielen:

  • Three Robots (John Scalzi): Die Menschheit ist vernichtet, drei Roboter wandern durch verlassene Straßen und versuchen zu ergründen, wie Menschen so getickt haben. Sehr putzig, hätte ich gerne als Serie gehabt.
  • When the Yogurt Took Over (John Scalzi): Ein Joghurt wird zum Präsidenten der Welt. Die Idee gepaart mit dem Dokumentationsstil fand ich witzig.
  • Good Hunting (Ken Liu): Die Geschichte spielt in China, ein Jung freundet sich mit einer Huli jing an, eine Mischung zwischen Frau und Fuchs. Hier gefiel mir die Mischung aus traditioneller Erzählung und Steam Punk.
  • Helping Hand (Claudine Griggs): Geschichten im Weltraum gehen immer. Eine Astronautin kommt auf eine ungewöhnliche Idee, um ihr Leben zu retten.
  • Fish Night (Joe Lansdale): Hier gefiel mir vor allem die Animation.
  • Lucky 13 (Marko Kloos): Samira Wiley spielt eine Kampfflieger-Pilotin, würde ich auch sofort als Serie gucken.
  • Zima Blue(Alastair Reynolds): Die meiner Meinung nach tiefgründigste Folge, die das Mensch- und Roboterdasein erkundet.
  • Ice Age (Michael Swanwick): Die einzige Folge mit realen Personen, gespielt von Topher Grace und Mary Elizabeth Winstead. Die beiden entdecken eine Mini-Zivilisation in ihrem Gefrierfach.

Ich habe in Klammern die Namen der Autor*innen beigefügt, die die Idee lieferten. Man sieht schon: Die Frauenquote ist mau. Den Namen nach sind nur 2 von 18 Ideen von Autorinnen. Dabei gibt es so viele Sci-Fi-Autorinnen, die man hierfür hätte gewinnen können. Spontan fielen mir z.B. Annalee Newitz (Autonomous), Nnedi Okorafor (Binti) oder Martha Wells (Murderbot Diaries) ein. Schade, Chance vertan.

Was mich an der Serie gewaltig nervt, ist die Hyper-Maskulinisierung, gepaart mit viel Gore und Sexualisierung von weiblichen Personen. Die Hälfte der Folgen sind unkreativ und geben Sensationsgeilheit die Priorität. Im Jahr 2019 habe ich keine Lust auf Geschichten, die wie von pubertären Jungs aus dem 80/90ern geschrieben wirken. Aber wahrscheinlich wird die Serie genau deswegen bei einem gewissen Publikum gut ankommen. Tim Miller nannte die Show einen „loveletter for nerds“ und damit meint er sicher nicht die weiblichen/non-binären Nerds, die in der Nerdkultur noch immer gerne unsichtbar gemacht werden und auch in dieser Serie eine Randnotiz bleiben.