[Spiel] Nier

Na gut, eigentlich warte ich mit Rezensionen immer, bis ich durch bin mit dem Spiel, aber da Nier mich nun schon seit einem Monat an die PS3 fesselt, gibt’s jetzt schon die ersten Eindrücke nach der ersten Spielhälfte und 51% abgeschlossenen Quests.

Nier war auf meiner must-have-Liste, da es von Square Enix stammt, Schmiede der Final Fantasy – Reihe, welche hier uns jetzt ein Action-RPG vor die Nase wirft.

Die Geschichte ist schnell erzählt, aber umso Final Fantasy-typischer: ein Vater sucht nach einem Heilmittel für seine Tochter, die von der „Runenpest“ geplagt wird. Jene Runenpest breitet sich auch im Volk immer mehr aus, genauso wie mysteriöse Monster. Die Macht liegt hier im Wort, den jene Monster droppen Wörter, die man mit Waffen und Magie koppeln kann. Ebenso begleitet den Vater ein Buch auf seinen Abenteuern: Grimoire Weiss.

Also, die Welt muss gerettet werden, da der Vater (man kann den Namen des Hauptcharakters selbst wählen) wie jeder gescheite Final Fantasy Hero einen Helferkomplex hat. Was von Weiss auch mehrmals überaus deutlich kritisiert wird…allein schon die Dialoge machen das Spiel spielenswert.

Grafik: Die Grafik ist nachdem was ich gelesen habe altbacken und so weiter. Ich finde sie schön anzusehen. Mehr Details wären nett, aber sind nicht nötig. FF7 spiele ich ja auch trotz mancher grober Verpixelung.

Sound: Ahhh, toll. Einfach nur toll!

RPG: Rollenspiel-Elemente gibt es in den diversen Nebenquest, die meistens einen von A nach B schicken, oder zum Schafe schlachten verdonnern. Für RPG’ler geeignet, alle anderen können sie auch getrost beiseite lassen, Erfahrungspunkte gibt es keine dafür und Geld kann auch anders verdient werden. Abgesehen davon, dass ich bisher keinerlei Geldprobleme hatte.

Action: So viele Kämpfe gibt es in der ersten Spielhälfte nicht, zumindest in relation dazu wenn man auch die Nebenquests macht. Ich spiele sowieso auf der leichtesten Stufe, hatte daher nie großartige Probleme mit den Bossen, sofern man einmal kapiert hat, welche Strategie man anwenden sollte. Man kann nur 4 Zauber auf die Knöpfe legen, allerdings jederzeit per Start-Taste im Menü wechseln.

Gefällt besonders gut:

– Dialoge, und die kleinen grimmigen Kommentare von Weiss

– Stumme Dialoge (die Nebenquest – Dialoge gibt’s nur zum lesen), ich mag auch die alten stummen FF-Teile

– Musik

– hoher Nostalgiefaktor: teilweise 2D Abschnitte und im Märchenwald mal ein etwas anderes Quest

– viele Spielstunden

Gefällt weniger:

– im Gegensatz zu FF sehr wenig leveln und powern. Die Wörter kombiniert man in Zweierpaaren mit Waffen, Magie oder Kampftechnik (Verteidigen, Ausweichen) und das wars. Aber das ist ja auch kein FF.

– wenige Monster

Nachtrag:

Das Ende ist suuuuper! Ein zweites Spielen lohnt sich auch, da neue Szenen hinzu kommen und der zweite Teil des Spiels recht flott von der Hand geht. Bin noch begeisterter vom Soundtrack. Hach, super Spiel!

[Film] Alive (2002)

Jahr: 2002
Regie: Ryuhei Kitamura
Land: Japan

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Manga. Eine Genrezuteilung gestaltet sich bei diesem Film als sehr schwierig. Zunächst einmal ist der FIlm in mehrere Kapitel aufgeteilt, die jeweils auch einen eigenen Titel erhalten. Es beginnt alles damit, dass Tenshu auf dem elektrischen Stuhl sitzt und „getötet“ wird. Er überlebt die Stromstöße und erhält die Wahl zu sterben oder zu leben, natürlich unter bestimmten Bedingungen. Er entscheidet sich für das Leben und landet schließlich in der nächsten Zelle. Was dann die nächsten Szenen wie einem sehr ruhigen Psychothriller anmutet, wechselt irgendwann ins Sci-Fi Genre über. Um dann schließlich in einen Actionfilm mit vielen Kampfeinlagen überzugehen. Ein paar Horrorszenen finden sich auch, aber ein wirklich Horrorfilm ist Alive auch nach asiatischen Maßstäben überhaupt nicht.

Nun ja…die Stimmung des Filmes ist immer sehr atmosphärisch und erinnert an japanische Videospiele. Alles findet in einem futuristisch angehauchtem Raum statt. Problemantisch bei diesem Film ist der stetige Übergang in anderen Genre. Als ob man sich hier nicht einig werden konnte, was es nun werden soll. Natürlich muss ein Film nicht einem Genre entsprechen, allerdings ist hier der Genrewechsel meiner Meinung nach nicht sonderlich gelungen. Der Film ist zwar in sich unterhaltsam, allerdings wirken einige Szenen schon ziemlich lächerlich, darüber muss man hinwegsehen oder den Ausknopf drücken.

Für einen Asiastreifen, der von einem „Kultregisseur“ stammen soll, aber doch enttäuschend. Nur der Hauptcharakter ist doch ein cooler Held.

[Buch] Der einarmige Pianist

Oliver Sacks ist ein britischer, in den USA lebender, Neurologe oder salopp gesagt: Hirnforscher, der eine Reihe von populärwissenschaftlichen Bücher veröffentlich hat. Einigen dürfte jener Herr aus dem Film „Zeit des Erwachens“, verkörpert von Robin Williams, bekannt sein. Darin geht es um Menschen, die von der Schlafkrankheit befallen sind und durch das Medikament L-Dopa zeitweise „zum Leben erweckt“ werden. Dieser Film basiert auf realen Begebenheiten, die Sacks in „Awakenings“ beschrieben hat.

Auch im einarmigen Piansten folgt Sacks seinem typischen Erzählschema: er erzählt von zahlreichen wahren Fällen, als ob man seinen Großvater vor sich sitzen hätte, der von seiner Berufszeit als Neurologe berichtet. Natürlich wird man auch mit einigen medizinischen Begriffen konfrontiert, aber die kann man getrost übergehen, wenn man möchte.

Wie der Titel schon sagt handelt das Buch von Musik und dem Gehirn. Die zentrale Frage ist dabei: Was ist Musik, woher kommt sie, wo im Gehirn sitzt sie und wie wirkt sie sich auf uns aus. Sacks als Märchenonkel schweift aber auch gerne ab, sodass wir einiges über Amnesie erfahren, über geisteskranke Komponisten und über Sacks Wanderunfall, wo er die Kontroll über sein Bein verlor. Welcher Vorfall überigens zum Titel verbunden ist, da es um Phantomgliedmaßen geht und um Pianisten, die trotz Verlust des Armes dennoch in ihrer Vorstellungskraft zweiarmig spielen können!

Das Themenspektrum ist breit und niemals erschlagend. Eine Reihung von Kurzgeschichten unter einem thematischen Komplex.

Wir lernen von musikalischen Halluzinationen und wieso Sacks die Ohrwürmer lieber Gehirnwürmer nennen würde. Von Menschen, die Musik in ihrem Kopf hören, als ob sie wirklich extern da wäre. Von Menschen die bessesen nach Musik werden. Und Menschen, die Angst vor jener haben.

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Musikalität. Dazu zählt Amusie, welches tatsächlich ein „Gehirndefekt“ ist, also gibt es ideale Ausreden für unrhythmisches Tanzen und Musizieren! Amusie ist nicht gleich Amusie, einige können keinen Melodien erkennen, anderen keine Stimmung, andere keine Rhythmen. Ebenso lernen wir von den „Savants“ (man kennt sie meitens als „retardierte“ Menschen, die aus dem Gedächtnis komplexe Bilder malen können), die im musikalischen Bereich die absoluten Überflieger sind. Ebenso ein kurzer Zwischenstopp beim Thema Musik und Blindheit, sowie Musik und Synästhesie. Ebenso wird ein Kapitel dem absoluten Gehör gewidmet, der Fähigkeit, Töne ohne Vergleichstöne direkt zu erkennen.

Weiter geht es mit einem neurologische gerpägten Teil, der sich mit Musik und diversen Krankheiten beschäftigt: Tourette, Parkinson, Aphasie (Verlust der Sprechfähigkeit, ob im Verständnis oder in der Produktion) und auch der Amnesie. Wir lernen Menschen kennen, deren Gedächtnis dermassen zerstört ist, dass sie sich nur an die letzten 2 Sekunden erinnern. Seltsamerweise beeinflusst es nicht ihre musikalischen Fähigkeiten, ein ganzes Stück mag ohne Vergessen gespielt werden. Musik als mentaler roter Pfaden.

Das letzte Kapitel gleitet schließlich hinein in das Thema Musik und Emotion.

Fazit: Sacks Schreibstil ist selbst für Laien doch recht einfach zu verstehen, aber man kommt sich dennoch als Leser ernstgenommen vor. Der anekdotische Stil erlaubt einem Lesepausen, was bei der Thematik durchaus angebracht ist.Und Oliver Sacks ist einfach ein toller Geschichtenerzähler, man spürt seine Begeisterung für das menschliche Gehirn und für die Musik.

Wer sich für Musik interessiert, also mehr über das reine Hören und Produzieren hinaus, wer dem Ursprung etwas näher kommen will, der mag hier sicherlich seinen Spaß finden. Allerdings soll gesagt sein, dass wir es hier fast nur mit klassischer Musik zu tun haben, was wohl vor allem an Sacks eigener Vorliebe liegt.

Auch für Leser, die gerne mehr in das menschliche Gehirn blicken wollen, empfiehlt sich das Buch.