[Buch] Wunschkrieg (Die Sturmkönige 2)

Ich habe bereits hier den ersten Teil der Dschinnland-Reihe rezensiert und war ja sehr begeistert.

Nun habe ich innerhalb von drei Tagen Teil 2 zu Ende gelesen, was für mein normales Leseverhalten sehr erstaunlich ist, sonst lese ich deutlich langsamer.

Weiter geht es also mit der Geschichte um Sabatea, Tarik und seinen jüngeren Bruder Junis.

Die Handlung wird jetzt abwechselnd erzählt. In Bagdad, versucht Tarik Sabatea zu retten, während diese den Kalifen und seinen Berater/Hofmagier näher kennenlernt.

Junis ist mittlerweile bei den Sturmkönigen gelandet, jener Gruppierung, die versucht in den Wüsten die Dschinne zu besiegen. Dort trifft er auf zwei äußerst interessante Persönlich- keiten.

Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten, bis auf einige Aspekte ist die Handlung nämlich recht überraschend und dennoch schlüssig.

Wie gewohnt ist die Erzählung flüssig und der Erzählstil sowohl schön als auch leichgängig. Obwohl dies der Mittelteil einer Reihe ist, der meiner Meinung nach oft schwächelt, wird hier doch weiterhin Spannung aufgebaut und „das Final“ unterhaltsam vorbereitet. Der Leser erfährt viel Neues und wird immer tiefer in die Welt rund um die „Wilde Magie“ hineingesogen. Und fragt sich zurecht am Ende des zweiten Bandes: Wie zum Teufel soll das alles enden?

Fazit: Wunschkrieg ist anders als Teil 1, da hier mehr Charaktere und mehr Handlungsstränge eine Rolle spielen. Kein bloßes „Übergangsbuch“ zum finalen Teil, sondern absolut lesenwert 🙂

 

[Buch] The Last Battle of the Icemark (Icemark Chronicles 1)

Blood, Blast and Fire!

Das ist der Kriegsschrei der Armee der Eismark, welche von einem kleinen Völkchen rauer Nordmänner und -frauen bewohnt wird. Seit geraumer Zeit herrscht Frieden in den Nordlanden, da der König einst die Vampirmonarchen besiegt hat. Doch eine neue Bedrohung aus dem Süden wächst heran, das Imperium und der berühmt-berüchtigte General Scipio Bellorum (Lateiner haben ihre helle Freude an dem Namen) nehmen Land für Land ein und wollen sicherlich auch nicht vor der Eismark halt machen.

Die Erzählung kommt schnell in Fahrt und hält sich kaum mit einer größeren Einführung auf. Was nichts ungewöhnliches ist, da in der Eismark-Reihe jeder Band für sich abgeschlossen ist.

Thirrin verliert ihren Vater im Krieg und muss nun mit 14 Jahren die Königin der Eismark werden. Während die Bedrohung aus dem Süden immer näher rückt. Wie soll sie die gewaltigen Armeen des Imperiums zurückschlagen? Ein Kampf gegen die Zeit beginnt, Thirrin muss nicht nur ihre eigene Armee vergrößern sondern auch neue Verbündete gewinnen. Aber wen? Die Vampirkönige, die einst ihr Vater besiegt hat? Unmöglich.

Nein, dies ist kein Vampirroman, das sag ich schonmal vorweg. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte nicht den Klappentext lesen. Dort wird nämlich etwas zu viel verraten für meinen Geschmack.

Die Geschichte erzählt vor allem zwei Sachen: Thirrins Suche nach den Verbündeten, die etwas zu leicht ausfällt und den Kriegskämpfen. Der Rest kommt leider viel zu kurz. So ist das Buch zwar sehr gut zu lesen und kurzweilig, aber ich persönlich habe mir einfach etwas mehr gewünscht. Andere Autoren hätten sicher diese Geschichte auf drei Bücher erweitert, so in der jetzigen Form kann man sie kaum „episch“ nennen, weil alles zu schnell geht. Irgendwie mutet es so an, als ob der Autor hier sehr an eine Verfilmung gedacht hat, mich hat die Geschichte an Fantasystreifen wie Narnia und der Goldene Kompaß erinnert.

Schöne Ideen, zeigt auch andere als die bisher bekannten Fantasiewesen, und der Mix aus Altbekanntem (römisches Reich, Nordgermanen) mit neuen Elemten ist schon recht amüsant. Aber ich kann jetzt auch nicht sagen, dass ich richtig begeistert bin, da das Buch nunmal leider zu kurzweilig ist.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, kann mir vorstellen, dass Leser auf Schulenglisch-Niveau hier besser zur deutschen Ausgabe greifen sollten. Wer Erfahrung mit englischer High Fantasy hat, wird hier keine Probleme beim Verstehen haben.

 

[Buch] Der Junge Titus (Gormenghast 1)

[Werbung: Rezensionsexemplar]

„Gormenghast“, sagte er, und seine Stimme klang, wie wenn Felsbrocken durch ein fernes Tal rollen.

Zunächst vorweg gesagt: diese Neuauflage des 1946 erschienen Buches beinhaltet ein sehr interessantes Vorwort von Kai Meyer, der ein bisschen über Mervyn Peake und Gormenghast erzählt:

„Ich selbst habe in meinen Romanen wieder und wieder mit dem Mörtel der Groans gemauert; ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich meine Heldinnen und Helden über weitläufige Dächer und enge Treppenfluchten, durch endlose Hallen und verwinkelte Steinkorridore gejagt habe.“

Ich kenne nur die Arkadien-Bücher von Meyer, allerdings merkt man schon, dass Meyer bei der Villa Alcantara wohl an Gormenghast gedacht hat. Also durchaus interessant für eingefleischte Fans des Autors.

Allerdings bitte erst Rezensionen lesen oder das Buch anlesen, denn es ist wirklich ganz anders als Meyers Bücher oder andere moderne Fantasy!

Die Handlung ist recht schnell erzählt, ein neuer Erbe des Geschlechts der Groan ist geboren und auf bizarre Weise scheint sich mit ihm das altehrwürdige Schloss langsam zu verändern. „Schloss“ bezeichnet hier nicht allein das Gebäude, sondern ist ein lebender, jedoch scheinbar im letzten Atemzug liegender, Organismus. Steinen, Pflanzen, Vögeln, Katzen, Grafen, Diener, Köche und Krüppelwäldern formen Gormenghast. Eine Einheit, deren Traditionen schon so alt sind, dass sich niemand erinnert, wieso eigentlich der Zeremonienmeister beim ersten Geburtstag des Erbens über den Frühstückstisch laufen muss. Aber es wird getan, weil es getan wird und eben so sein muss. Tradition.

Der Erzählstil dürfte für den durchschnittlichen Fantasyleser sehr gewöhnungsbedürftig sein. Zunächst einmal schildert ein allwissender Erzähler die Geschichte, es erinnert etwas an eine groteske Theatervorstellung, nur dass hier der Leser auch in die Gedanken aller Charaktere Einblick erhält. Die Erzählperspektive schwenkt auch innerhalb der Kapitel öfters von einem Charakter zum anderen, das mag manchmal verwirrend sein.

Ich werfe mal einige Literaturnamen in den Raum: Alice im Wunderland, Edgar Allan Poe, Charles Dickens, E.T.A. Hofmann, Robert Louis Stevenson. Wer sich daran erfreut, der ist mit Gormenghast goldrichtig. Ebenso denkt man natürlich obligatorisch an Peakes Zeitgenossen J.R.R. Tolkien, allerdings sehe ich da nicht allzu große Parallelen, Herr der Ringe hat doch einiges mehr an Fahrt. Richtig gelesen, wer schon Herr der Ringe, besonders den Anfang, langweilig fand, der wird Gormenghast nach 50 Seiten verschmähen.

Die Handlung steht nämlich im Vordergrund, sondern das Erleben, die Reise, der Traumwandel durch Gormenghast und das Kennenlernen seiner Bewohner. Hier treffen wir auf den glupschäugigen Arzt, dort auf den klapprigen Diener Flay und an anderer Ecke auf die dicke Gräfin, welche ein Zimmer voller weißer Katzen hat. Der junge aufstrebende Steerpike tritt deutlich hervor – als einziger, der Veränderung bewusst herbeiführen will und deshalb seine Intrigen spinnt. Jugend gegen alte Traditionen.

„Manchmal mag ich es, wenn Sie respektlos sind“, sagte Fuchsia in einer plötzlichen Aufwallung. „Warum muss man sich Mühe geben und alten Leuten gegenüber respektvoll sein, wenn sie nicht vernünftigt sind?“

„Sie wollen, dass diese Sache mit der Ehrfurcht weitergeht“, erwiderte Steerpike, „Wo wären sie ohne uns? Versunken, Vergessen. An die Seite geschoben: Den sie haben nichts außer ihrem Alter, und auf unsere Jugend sind sie eifersüchtig.“

Fazit: Ich bin sehr begeistert von Gormenghast und bedanke mich herzlich bei Klett-Cotta für das Rezensionsexemplar.

Wer groteske Geschichten, eine düstere Stimmung und das unterschwellige Gefühl der Veränderung erleben will, der ist mit Gormenghast genau richtig bedient! Wunderbares, phantastisches Werk, welches trotz des Alters viel Erfrischendes bietet.

Ich freue mich sehr auf den zweiten Band, da dieser noch ein Vorwort von meinem Lieblingsautor Tad Williams beinhaltet, weswegen ich erst auf die Bücher aufmerksam geworden bin.

(Anmerkung: Peake verfasste nur 3 Bücher dieser Reihe und beendete sie nie. Aufgrund des Erzählstils lohnt es sich meiner Meinung nach trotz des fehlenden Endes die Reihe zu lesen – ich werde es mit Freude tun)