[Film] Studio Ghibli

Netflix hatte alle Ghibli-Filme im Angebot und ich habe mir zur Aufgabe gemacht, alle chronologisch anzuschauen. Hier alle Filme und wann sie Netflix veröffentlicht:
February 1, 2020: Castle in the Sky (1986), My Neighbor Totoro (1988), Kiki’s Delivery Service (1989), Only Yesterday (1991), Porco Rosso (1992), Ocean Waves (1993), Tales from Earthsea (2006)
March 1, 2020: Nausicaä of the Valley of the Wind (1984), Princess Mononoke (1997), My Neighbors the Yamadas (1999), Spirited Away (2001), The Cat Returns (2002), Arrietty (2010), The Tale of The Princess Kaguya (2013)
April 1, 2020: Pom Poko (1994), Whisper of the Heart (1995), Howl’s Moving Castle (2004), Ponyo on the Cliff by the Sea (2008), From Up on Poppy Hill (2011), The Wind Rises (2013), When Marnie Was There (2014)

Nachfolgend meine Kurzreviews, oben immer der zuletzt gesehene Film.

Pom Poko (1994)
Ausufernde Bauprojekte drohen die Heimat der Marderhunde endgültig zu zerstören. Sie wollen Rache üben und nutzen dafür ihre Fähigkeit, sich in alles zu verwandeln zu können – auch in Menschen.
Eigentlich eine tolle Idee, in der Ausführung aber definitiv nichts für mich. Schon die Hoden der Marder irritieren und sind genauso unnötig, wie ausufernde Brüste. Wegen der Brutalität würde ich den Film nicht für kleine Kindern empfehlen, auch wenn der Humor eindeutig eher für jüngeres Publikum ist. Hier war ich wirklich kurz davor den Film auszumachen, habe ihn dann nur nebenbei geschaut. Und mein üblicher Kritikpunkt: zu lang.

The Tale of the Princess Kaguya – Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013)
Ein armes Paar lebt als Bambussammler. Eines Tages findet der Mann eine kleinen Bambussprosse, in der eine winzige Frau eingebettet ist. Diese tranformiert zu einem Baby, das das Paar bei sich aufnimmt. Takenoko („Bambuskind“) wächst behütet auf. Doch eines Tages findet ihr Vater Gold in einem Bambus und zieht daraufhin mit seiner Familie in einen Palast.
Gesehen am 20.06.2020: Optisch war der Film sehr ansprechend und zeichnete sich deutlich von den anderen Ghibli-Filmen ab. Die Geschichte war ganz nett erzählt, aber auch hier mein übliches Problem: ich empfand sie mit mehr als 2h Spielzeit als langatmig.

Arrietty – Die wundersame Welt der Borger (2010)
Shou zieht in das Kindheitshaus seiner Mutter ein, er lebt dort allein mit der grummeligen Haushälterin Haru. Jedoch findet Shou schnell heraus, dass noch weitere Wesen das Haus bewohnen: die Borger. Etwa 10cm kleine Minimenschen bestehend aus einem Elternpaar und ihrer Tochter Arrietty. Diese „leihen“ sich viele Sachen der Menschen, versuchen aber möglichst unerkannt zu bleiben, denn Haru will ihnen nichts gutes…
Gesehen am 07.06.2020: Ich hatte sehr wenig Lust auf den Film, weil ich den deutschen Titel so furchbar finde und vielleicht auch, weil ich als Kind Pumuckel nicht ausstehen konnte. Der Film war zum Glück nicht so schlimm wie befürchtet, das Leben der Borger wurde sehr niedlich und liebevoll visualisiert, die Geschichte ist eher simpel gestrickt und daher auch für Kinder geeignet. Hätte mir glaube ich als Kind auch sehr gut gefallen und ich hätte sofort versucht eine Miniatur-Wohnung zu basteln.

The Cat Returns – Das Königreich der Katzen (2002)
Haru ist ein schusseliger Tollpatsch. Eines Tages rettet sie einen Kater vor einem Auto und der sich bei ihr bedankt – er kann sprechen. In der Nacht darauf hälft eine Sänfte vor ihrer Tür. Darauf der Katzenkönig, der sich dafür bedankt, dass Haru seinen Sohn gerettet hat. Und so beginnt das Abenteuer.
Gesehen am 26.05.2020: Im Gegensatz zu anderen Ghibli-Filmen war The Cat Returns erstaunlich kurz, als kurzweilig empfand ich ihn trotzdem nicht und insgesamt war er mir doch zu abgehoben und merkwürdig.

Spirited Away – Chihiros Reise ins Zauberland (2001)
Chihiro zieht mit ihren Eltern in eine neue Stadt. Auf dem Weg dahin verfahren sie sich und landen auf einem verlassenen Vergnügungspark. Chihiro verliert kurzhand ihre Eltern und landet in einem Badehaus für Götter.
Gesehen am 20.04.2020: Sprited Away war lange Zeit der erfolgreichste Anime aller Zeiten, bis er von (dem grandiosen) Your Name abgelöst wurde. Ich kann das sehr gut verstehen, der Film hat eine tolle Protagonistin, zauberhafte und spannende Figuren und wunderschöne Animationen. Ich glaube viele Ebenen sind an mir vorbei gegangen, weil ich mich mit den Mythen und der Shinto-Religion Japans wenig auskenne. Spirited Away traf nicht ganz so meinen Geschmack mit den comicartigen Figuren, Mononoke hat mir doch etwas besser gefallen, was die Fantasyfilme von Ghibili betrifft. (Und ich bemerke ein generelles Problem an den Filmen: wenn sie 2h lang sind, ist es für mich definitiv zu lang.) Alles in allem kann ich den Hype um den Film nun besser verstehen und werde ihn vielleicht irgendwann, in zwei Häppchen, nochmal anschauen.

My Neighbors the Yamadas – Meine Nachbarn die Yamadas (1999)
Die Yamadas, das sind Vater Takashi, der in einem langweiligen Bürojob arbeitet, seine Frau Matsuko, die von Hausarbeit nicht viel hält, die Großmutter Shige, die immer gute Ratschläge parat hat, zwei Kinder und der Hund Pochi. Der Film erzählt viele Episoden aus dem Familienleben.
Gesehen am 11.04.2020: Der Film unterscheidet sich gänzlich von den anderen Ghibli-Filmen und bietet einen eher niedlichen und stark reduzierten Zeichenstil. Hier stehen die Geschichten im Vordergrund, die von der Mimik und Gestik der Charaktere unterstrichen werden. Mir hat der Film besser gefallen als ich dachte, jedoch war das Format nicht so meins. Vielleicht hätte ich mir die Episoden besser in 20min Häppchen anschauen sollen, so ganz ohne roten Faden fand ich viele kurze Episoden im Filmformat ermüdend. Nichtdestotrotz war es interessant, so mal einen anderen Einblick in das japanische Familienleben zu erhaschen.

Princess Mononoke – Prinzessin Mononoke (1997)
Prinz Ashitaka erlegt einen von einem Dämonen beherrschten Eber und wird dabei verflucht. Er reist in weit entfernte Lande, in der Hoffnung von einem Waldgott geheilt werden zu können. Dabei landet er mitten in einen Krieg zwischen dem Fürsten Asano gegen die Herrin der Eisenhütte, Eboshi, die versucht mit modernen Feuerwaffen den Fürsten zu besiegen. Die Menschen zerstören dabei die umliegenden Wälder, was die Tiere in Aufruhr bringt. Ashitaka lernt dabei Prinzessin Mononoke kennen, die in Begleitung von drei Wölfen kämpft.
Gesehen am 04.04.2020: Was die Fantasyfilme von Ghibli betrifft, ist Mononoke definitiv mein haushoher Favorit bisher. Die Animationen waren sehr schön, insbesondere was den Waldgott betrifft. Die Charaktere sind gut gestaltet (Mist, hätte ich es doch mal auf Englisch geguckt, die Mutter-Wölfin wird von Gillian Anderson und Mononoke von Claira Danes synchronisiert) und die Geschichte mit seinem Fokus auf japanischer Geschichte/Mythoserzählung mal etwas Neues für mich. Wie schon in vielen Ghibli-Filmen, thematisiert auch Mononoke den Konflikt zwischen Mensch und Natur, hier spielt auch noch die Erfindung von Feuerwaffen eine besondere Rolle.

Nausicaä of the Valley of the Wind Nausicaä aus dem Tal der Winde (1984)
Tausend Jahre sind vergangen, seitdem ein zerstörerischer Krieg tobte und die Menschheit fast vernichtete. Seitdem sprießen toxische Wälder aus dem Boden, sie sind Heimat zahlreicher riesiger Insekten, aber tödliche Gefahr für die Menschen. Nausicaä, Prinzessin aus dem Tal der Winde, erkundet diese Wälder und versucht Freundschaft mit den riesigen Insekten zu schließen.
Gesehen am 28.03.2020: Man merkt, dass Nausicaä der älteste Ghibli-Film ist, das Artwork wirkt ein bisschen verstaubt, ist aber trotzdem eins der schönsten von allen Filmen, die ich bisher gesehen habe. Auch aufgrund seiner Thematik und Geschichte gehört der Nausicaä zu den bisher besten, die ich gesehen habe. Ähnlich wie bei Castle in the Sky geht es hier auch um Krieg, Zerstörung und den Umgang des Menschen mit der Natur. Neben dem obligatorischen niedlichen Tierchen kommen hier auch die Insekten nicht zu kurz. Obwohl der Film sehr zugänglich ist, hat er eine gewisse Einzigartigkeit, die ihn definitiv zu einem „must-see“ macht.

Tales from Earth Sea – Die Chroniken von Erdsee (2006)
Der junge Prinz Arren bringt seinen Vater plötzlich aus dem Nichts um und flüchtet. Auf seinem Weg lernt er den Erzmagier Sperber kennen. Derweil braut sich Übles zusammen, was plant der böse Magier Lord Cob?
Gesehen am 21.03.2020: Dieser Film war schon deutlich besser als die letzten beiden. Klassische High-Fantasy mit Drachen geht immer. Ich fand die Charaktere sehr interessant und muss nun dringend Erdsee von LeGuin lesen, auch wenn der Anime laut ihrer Aussagen außer den gleichen Charakternamen sonst nichts mit ihren Büchern gemeinsam hat. Leider ist die Geschichten im Anime nicht rund, sie wirkt an einigen Stellen zerfetzt, als ob Teile der Geschichte fehlen. Schade, eine verpasste Chance. Aber immerhin hat der Film Lust auf die Bücher gemacht.

Ocean Waves – Flüstern des Meeres (1993)
Die 16jährige Rikato ist neu in der Klasse und kann sich schlecht integrieren. Die Freundschaft zwischen Taku und Yutaka spannt sich an als beide ihr näher kommen.
Gesehen am 14.03.2020: Auch wenn mir Porco Rosso thematisch nicht zugesagt hat, hat Ocean Waves den Film doch überboten und ist jetzt für mich der schlechteste Ghibli. Anfangs dachte ich noch, dass der Film Only Yesterday ähneln wird. Aber die Geschichte plätscherte dahin, hatte weder besonders schöne Zeichnungen noch irgendeine besondere Stimmung. Sie war beliebig. Diesen Film haben allein die jüngeren Mitglieder von Ghibli produziert, das hat dann leider nicht so geklappt.

Porco Rosso (1992)
Inhalt: Die Geschichte spielt im faschistischen Italien der 1920er Jahre. Marco ist Pilot, Kopfgeldjäger und jagt Luftschiffpiraten. Und er ist ein Schwein.
Gesehen am 29.02.2020: Ich hatte es ja schon vermutet, dass mir dieser Film wenig zusagen wird und damit recht behalten. Die Thematik rund um die 1920er gepaart mit dem Flugzeugthema und dem Schwein als Hauptcharakter (noch schlimmer, dass er eigentlich ein Mensch ist und durch einen Fluch einen Schweinekopf hat), dazu noch Slapstick-Elemente, waren überhaupt nicht meins und ich fand die Kombination dieser Elemente unpassend. Das einzige was mir gefallen hat war die schön gezeichnete Adria.

Only Yesterday – Tränen der Erinnerung (1991)
Inhalt: Taeko ist 27 Jahre alt, lebt und arbeitet in Tokio. Sie schwärmt vom Landleben und arbeitet daher im Sommer als Erntehelferin bei der Familie ihres Schwagers. Auf dem Weg im Nachtzug denkt sie an ihre Kindheit in den 60er Jahren zurück.
Gesehen am 22.02.2020: Der Film hat mir sehr gut gefallen und ich war überrascht, wie aktuell er trotz seines Alters noch ist. Da träumt eine junge Frau davon, von der Stadt aufs Land zu ziehen und dort als Bäuerin zu arbeiten, zwar eine harte Arbeit, die am Ende des Tages einen aber selig einschlafen lässt. Passenderweise lernt sie einen Biobauern kennen. In Rückblenden erinnert sie sich an einzelne Episoden ihrer Kindheit, die sie damals prägten (hier eine Warnung: sie wird an einer Stelle von ihrem Vater geschlagen, weil sie ohne Schuhe vor die Tür geht). Taeko fragt sich, ob das Leben, dass sie jetzt lebt mit dem vereinbar ist, was sie sich als (Stadt)-Kind erträumte. Ja, es ist etwas verklärend und kitschig, aber ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass sie keinen Bürojob machen will, sondern lieber etwas, wo sie am Ende Ergebnisse „zum Greifen“ hat, z.B. ein von selbst gepflückten Distelblüten gefärbtes Hemd. Und ich finde es toll, dass bei so einem Selbstfindungstrip mal eine Frau die Hauptperson ist und die Romanze nicht die Hauptgeschichte darstellt.

Kiki’s Delivery Service – Kikis kleiner Lieferservice (1989)
Inhalt: Kiki ist 13 Jahre alt und das heißt bei Hexen, dass sie von Zuhause ausziehen und ihre Ausbildung alleine in einer anderen Stadt fortsetzen. Nix da mit Internat! Zusammen mit ihrer schwarzen Katze Jiji verschlägt es Kiki in eine europäisch anmutende Stadt am Meer. Da sie als besondere Hexenkraft nur das Fliegen auf ihrem Besen beherrscht, gründet sie einen Lieferservice.
Gesehen am 16.02.2020: Da hätten wir den ersten Ghibli-Film, der mir richtig gut gefallen hat! Ob es daran liegt, dass der Film ein Kinderbuch als Vorlage hat? Hier hat für mich alles gepasst, die schönen Zeichnungen, Jiji als süßer und lustiger Sidekick und eine unterhaltsame Geschichte darüber, wie Kiki selbstständig wird. Einziger Wermutstropfen: der Film war irgendwann einfach vorbei, dabei hätte ich gerne Kiki’s Werdegang weiter verfolgt.
Kleiner Hinweis am Rande: wer die englische Synchro von Disney (1998) guckt, dem wird eine etwas andere Katze präsentiert, sie ist sarkastischer als die japanische Version, wird von einem Mann anstatt von einer Frau gesprochen und das Ende wird leicht verändert (was ich sehr schade finde, da ich das Ende bezüglich Jiji ganz gut fand). Die neuste Synchro ist wieder näher am japanischen Original.

My Neighbor Totoro – Mein Nachbar Totoro (1988)
Inhalt: Zwei Schwestern ziehen zusammen mit ihrem Vater auf’s Land, in ein altes Haus am Waldrand. Dort treffen sie auf mysteriöse Wesen, darunter den großen Totoro, in meinen Augen einer Mischung aus Bär, Faultier und Nagetier.
Gesehen am 11.02.2020: Mir hat der Film deutlich besser gefallen als Castle in the Sky, auch wenn er nicht diese gesellschaftliche Meta-Ebene hat und die Geschichte in ihrer Einfachheit fast „underwhelming“, nicht gerade überwältigend, ist. Aber die Nostalgie gefiel mir, wie die Mädchen das alte Haus kennenlernen, die umliegende Gegend und Natur erkundigen und dann märchenhafte Abenteuer erleben, die nicht nur eine Ablenkung von der Realität sind, sondern auch pure Lebensfreude bereiten. Der Nostalgiefaktor, die schönen Zeichnungen und der süße Totoro zeichnen den Film aus. Oft musste ich an meine eigene Kindheit denken, die ich tatsächlich auch mal abseits vom Fernseher in der Natur verbrachte. Aber auch nach diesem Film bin ich etwas ratlos, wieso Ghibli so ein Hype ist. Totoro hat mich an geliebte japanische Zeichentrickserien von früher erinnert, aber den Hype kann ich nach wie vor nicht so ganz verstehen, vielleicht muss man es als Kind gesehen haben?

Castle in the Sky – Das Schloss im Himmel (1986)
Inhalt: Ein Mädchen fällt aus einem Luftschiff, ein mysteriöser Stein lässt sie sanft zu Boden schweben. Ein Junge findet sie und hilft ihr dabei, vor ihren Verfolgern zu flüchten.
Gesehen am 02.02.2020: Ich bin kein großer Fan von Luftschiffen und würde fast sagen, dass ich mich dem teils „kindlichen Humor“ mit Slapstick-Elementen entwachsen fühle, aber ich mochte das schon als Kind nicht. Der Film bietet aber eine noch viel größere, „erwachsene“ Ebene an, die sich mit Themen wie Industrialisierung und Umweltzerstörung auseinander setzt. Ich fand den ersten Teil der Geschichte etwas lang gezogen, der zweite Teil – man kann sich aufgrund des Titels denken, wo dieser spielt – war schon spannender und von den Zeichnungen her eine Augenweide. Und niedliche Tiere gehen immer. Castle in the Sky ist netter Film mit schönen Zeichnungen, der mir aber nicht ganz verständlich macht, woher der Hype kommt. Aber ich habe öfters gelesen, dass er einer der schwächeren Ghibli-Filmen sein soll.