[Buch] Zwanzigtausend Reiseleiter

Markus Barth ist Schuld daran, dass ich jetzt ernsthaft darüber nachdenke auf ein Wohnmobil zu sparen. 2017 hat er Mann und Hund eingepackt und ist vier Monate quer durch 12 europäische Länder getourt. Mit dabei: seine Facebook-Follower, die ihn mit Tipps fütterten.
Ich hab’s sonst nicht so mit Reiseberichten, weil sich alles etwas gestelzt und beschönigt anhört. Nicht so bei Markus Barth, der auch in epischer Bandbreite von seinem Muschel“genuß“ erzählen kann. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Reisebericht und dem typischen Humor des Kabarettisten, der natürlich noch besser durchkommt, wenn man das Hörbuch hört. Es ist keine Aufzählung an must-see Orten, sondern sprüht vor Freude an neuen Entdeckungen, egal ob sie nun positiv oder auch negativ sein mögen (ich hatte tschechische Menschen nicht als so wortkart in Erinnerung…). Mein perösnliches Highlight ist natürlich, dass auch Bärbel, der Hund, mit dabei war, was natürlich nur noch mehr meine Idee gefüttert hat auch so einen Urlaub zu machen. Absolust empfehlenswerte und kurzweilige Lektüre für alle Freund:innen von Europa. (Hier zu bestellen bei BoD, das Hörbuch gibt es kostenlos auf Spotify, but support the artist)

[Film] Professor Marston and the Wonder Women

Bei dem 2007 erschienen semi-biographischen Drama führte Angela Robinson Regie. Der Film handelt von dem Psychologieprofessor William Marston, dem Schöpfer von Wonder Woman, seiner Frau Elizabeth Marston, ebenfalls Psychologin, und der Studentin Olive Byrne. Die drei lernen sich 1928 am Radcliff College kennen, das damals der „weibliche Ableger“ des ehemaligen Männercolleges Harvard war. Sie arbeiten gemeinsam an einem Lügendetektor und beginnen eine polyamörose Beziehung. Die Frauen und das gemeinsame Eintauchen in die Welt der Fetischkleidung inspirieren Marston zu Wonder Woman.

Über Wonder Womans Entstehungsgeschichte wusste ich bis dato gar nichts und hatte keine Ahnung, welche Inspirationen ihrer Figur zu Grunde liegen. Insofern leistet der Film spannende Aufklärungsarbeit für alle Fans der Figur. Die Geschiche über die polyamouröse Beziehung und den Kampf der Frauen in einer männerdominierten Wissenschaft gaben dem Film noch weitere interessante Ebenen. Wobei man bedenken muss, dass die polyamouröse Beziehung vermutlich so nie stattfand, zwischen den Frauen soll laut Elizabeths Enkelin eine tiefe Freundschaft, aber keine Liebesbeziehung bestanden haben. Anderswo liest man, dass Marston seine Frau gezwungen habe, die Dreiecksbeziehung zu akzeptieren.

Alles in allem ist Professor Marston ein durchaus empfehlenswerter Film, nicht nur für Fans von Wonder Woman.

[Film] Us

Die Familie Wilson ist eine ganz normale, wohlhabende Vorstadtfamilie, die für den Sommer in ihr Ferienhaus nach Santa Cruz fährt. Adelaide Wilson (Lupita Nyong’o) ist das ganze nicht geheuer, denn als Kind ist ihr in dem am Strand befindlichen Spiegellabyrinth etwas furchtbares passiert: sie hat, laut eigener Aussage, ihre Doppelgängerin getroffen. Schwer traumatisiert konnte sie danach nicht sprechen und musste therapiert werden. Ihr geht es wieder gut, aber die alten Ängste kann sie nicht abschütteln.

Ich bin mir sicher, dass der Film einige Aspekte hatte, die ich noch nicht so ganz greifen konnte. Die Familie Wilson ist schwarz und der Regisseur Jordan Peele ebenso. Horrorfilme von und mit schwarzen Menschen sind noch viel zu selten und daher schon mal ein Gewinn für die Filmlandschaft. Die Storyline ist gelungen, sie lebt nicht von den üblichen Horror-Klischees, sondern versucht eine eigene Erzählung zu schaffen: Es geht um Identität, aber auch um Macht und Privilegien…. Mehr kann ich leider nicht sagen, ohne zu spoilern. Jedenfalls ist Us sehenswert für alle Horrorfans.
Content note: Gewalt, Blut, „ruhiger Grusel“.