[Buch] The Bell Jar

Vor dem Studium hatte ich von Sylvia Plath nur gehört, sie sei verrückt gewesen und hätte sich umgebracht. Als Schullektüre habe ich keinerlei Literatur von oder über Frauen (abseits der Trope damsel in distress) gelesen und Namen von Autorinnen wie Plath nur im Nebensatz gehört. Im Amerikanistik-Studium mussten wir eine Grundlage an Literatur lesen, dazu gehörte auch das Gedicht „Daddy“ von Sylvia Plath, letztendlich blieb sie aber auch hier ein Nebensatz, als die Frau, die mit Ted Hughes verheiratet war. Nun war es also dringend an der Zeit, die Autorin neu kennenzulernen und ihren einzigen Roman zu lesen.

These girls looked awfully bored to me. I saw them on the sunroof, yawning and painting their nails and trying to keep up their tans, and they seemed bored as hell. I talked with one of them, and she was bored with yachts and bored with flying around in airplanes and bored with skiing in Switzerland at Christmas and bored with the men in Brazil. Girls like that make me sick. I’m so jealous I can’t speak.

Ich wusste nicht, wovon das Buch handelt und war nach den ersten Seiten so irritiert, dass ich nachschaute, ob ich wirklich das richtige Buch gekauft hatte. Die Erzählung beginnt damit, wie die Protagonistin Esther Greenwood mit mehreren anderen jungen Frauen in einem Hotel einquartiert ist, lauter Goodies kriegt und bei einer Modezeitschrift ein Praktikum macht. Nur die Abwesenheit von Handys und Social Media deutete an, dass es sich hier nicht um einen Workshop für Influencer handelt. Esther ist Musterschülerin und studiert mit einem Stipendium an einem renomierten College. Doch es fällt ihr immer schwerer Lebensfreude zu empfinden und ihr mentaler Zustand verschlechtert sich zusehend.

I knew I should be grateful to Mrs Guinea [Esthers Sponsorin], only I couldn’t feel a thing.  If Mrs Guinea had given me a ticket to Europe, or a round-the-world cruise, it wouldn’t have made one scrap of a difference to me, because wherever I sat – on the deck of a ship or at a street café in Paris or Bangkok – I would be sitting under the same glass bell jar, stewing in my own sour air.

Beim Lesen war ich zunächst wütend, wieso The Bell Jar keine Schullektüre ist. Aber klar, die Erzählung handelt von einer depressiven jungen Frau und es gibt doch Werther, ne? Obwohl das Buch 50 Jahre alt ist, finde ich es noch immer sehr aktuell und „relatable“. Esther ist Perfektionistin, sie hat lauter gute Noten, ein Stipendium, das tolle Praktikum und merkt doch am Übergang zum „Erwachsenenleben“, dass diese Dinge hier keine Relevanz haben. Sie weiß nur, dass sie weder Hausfrau und Mutter, noch Stenotypistin werden möchte. Nachdem sie es nicht schafft, in einen Schreibkurs zu kommen und die Arbeit an ihrem eigenen Roman scheitert, dreht sich die Spirale weiter abwärts. Irgendwann schläft Esther nicht mehr, sieht keinen Sinn darin sich die Haare zu waschen oder zu essen. #Notjustsad lässt grüßen.

Mir hat gefallen, wie die Erzählung keine Schuld und keinen Auslöser der Depression sucht. Es gibt sicherlich einige beeinflussende Faktoren, Esthers Perfektionismus, ihr Verlorensein in einer Gesellschaft, die nur wenige Rollen für sie zulässt. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Erzählung versucht die Depression zu begründen, sondern sie als Erkrankung schildert, weswegen Esther auch einen Arzt aufsucht.

Mit den Romanen wie „Der Fänger im Roggen“ konnte ich nie etwas anfangen, weil ich mich mit dem (männlichen) Typen „Rebel/Versager“ überhaupt nicht identifizieren kann. Bei The Bell Jar geht es um eine perfektionistische Streberin, hallo! Dazu die Themen Feminismus, gesellschaftliche Erwartungen und Mental Health. Absolute Leseempfehlung.

Disclaimer: Esther sinniert explizit über verschiedene Suizidmethoden.

 

 

[Serie] Final Space

Final Space sah auf den ersten Blick so aus, als ob es in eine Kategorie Animationsserie fällt, von der ich überhaupt kein Fan bin. Reingeschaut habe ich dann zufällig, als der Freund die Serie an einem Tag bingte. Sah ja doch ganz ok aus, schien keine Ekel-Comedy wie z.B. Paradise PD zu sein und auch kein langer LSD-Trip wie die erste Folge von Adventure Time. Tatsächlich entpuppte sich Final Space als Sci-Fi-Perle, die mir besser gefallen hat als viele aktuelle Serien aus dem Genre. Die Serie startete anfangs als kleines Youtubeprojekt, nachdem Conan O’Brien auf sie aufmerksam wurde, erhielten die Produzenten einen Deal mit dem Privatsender TBS. Final Space ist von 2018 und läuft nun in Deutschland auf Netflix.

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[Buch] Autonomous

In einer Rezension zu den Murderbot Diaries auf Teilzeithelden.de wurde Autonomous erwähnt, da auch hier „sympathische Roboter auf dem Selbstfindungstrip allgegenwärtig sind.“ Das Buch war gerade für 99 Cent auf Amazon erhältlich und landet damit sofort auf meinem Kindle. Es ist der erste belletristische Roman von Annalee Newitz, die vorher zahlreiche Sachbücher, Essays und Kurzgeschichten veröffentlichte, außerdem als Journalistin und Herausgeberin tätig ist.

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