[Film] Midsommar

Vielleicht hatte ich falsche Erwartungen an den Film oder habe zu viele sehr begeisterte Stimmen darüber gehört, sodass Midsommar dem letztendlich nicht gerecht werden konnte. Oder ich hätte nicht den Director’s Cut angucken sollen. Aber von vorne: eine Gruppe junger Leute, darunter die traumatisierte Dani, fährt nach Schweden, um an den Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende einer abgeschotten Gemeinde teilzunehmen. Anscheinend hat niemand dieser Leute jemals einen Horrorfilm gesehen, weswegen sie munter unbekannte Drogen konsumieren und alle Leuchtbanner mit „Hello, wir sind ein Kult“ ignorieren.
Ich fand den Director’s Cut unnötig lang, vor allem der ausufernde Prolog erschien mir für die weitere Story nicht sehr relevant. Klar, es war gut Danis Geschichte zu sehen, aber gefühlt ging der Film eine Stunde bis die Gruppe endlich in Schweden ankam. Hätte ich den Film alleine gesehen, dann hätte ich den wohl vorher ausgemacht oder mich mental verabschiedet. Angekommen in Schweden wurde es endlich etwas unterhaltsamer und wir haben ziemlich viel rumgewitzelt. Das hat dann auch den ganzen Film tatsächlich sehr amüsant gemacht. Wir hatten sofort Bock, den Midsommar als Chtulhu-Szenario nachzuspielen. Das Kult-Thema wird in dem Film wirklich sehr gut umgsetzt, man kann fast schon eine Check-List durchgehen: Drogen, fragwürdige Speisen, Leute verschwinden. Aber ich war etwas enttäuscht, dass es kaum große Überraschungen und Twists gab. Anscheinend lesen einige Danis Geschichte als Empowernment, ich sah darin ein typisches Ende eines Cthulhu-Abenteuers (allerdings ohne kosmischen Mythos). Was jetzt an sich nicht schlecht ist und auch unterhaltsam, aber wie oben schon gesagt, meine Erwartungen waren deutlich höher. Also: guter Film für alle Freundinnen kultistischer Vereinigungen, erwartet nur keinen Mythos und Hardcore-Horror. (Achtung: Es gibt aber Szenen mit Gore-Elementen).

[Film] Wonder Woman: Bloodlines

Der 2019 veröffentliche Animationsfilm „Wonder Woman: Bloodlines“ ist der 14. Film in der Reihe DC Universe Animated Original Movies. Der vierte Film dieser Reihe war der sehr gelungene Wonder Woman von 2009. 10 Jahre später folgt nun also ein neuer Film über Wonder Woman. Wer die Originstory nicht kennt, wird auch hier kurz in die Geschichte eingeführt. Steve Trevor stürzt an der Küste Themysciras ab, wird von der Amazonenprinzessin Diana gerettet, diese begleitet ihn dann zurück in die „Man’s World“. Die Hauptgeschichte spielt anders als der Kinofilm in der Gegenwart und fokussiert sich mehr auf die Bösewichtinnen, denen Wonder Woman im Laufe ihrer Karriere begegnet: Silver Swan, Doctor Poison, Cheetah und andere. Es war erfrischend, dass in dem Film nur Frauen eine wichtige Rolle gespielt haben und Steve als freundlicher und hübscher Helfer fungierte, so war er mir tatsächlich von allen bisher gesehenen Verfilmungen am sympathischsten. Sehr klasse auch die lesbische Etta, die von Adrienne C. Moore, bekannt als Black Cindy aus Orange is the New black, gesprochen wurde.

Bloodlines fand ich etwas schwächer als den älteren Animationsfilm, aber nichtsdestotrotz unterhaltsam und eine gute Überbrückung der Wartezeit auf die neuste Realverfilmung.

[Buch] Marianengraben

Paulas kleiner Bruder ist gestorben, das hat sie in eine tiefe Depression gestürzt. Dann lernt sie unter kuriosen Umständen den alten, etwas grantigen Helmut kennen, mit dem sie recht spontan einen Roadtrip unternimmt. Ich muss zugeben, dass mich zwar das allgemeine Thema „Tod und Sterben“ an dem Buch reizte, ich mir aber nicht so recht vorstellen konnte die Geschichte um einen Roadtrip, auch noch mit einem alten Mann, interessant zu finden. Aber da ich Jasmin Schreiber (@LaVieVagabonde) gerne auf Twitter lese, habe ich ihr Buch kurzentschlossen gekauft und dann sofort verschlungen. Der Roadtrip war mal gar nicht so langweilig und Helmut irgendwo doch ganz sympathisch, auch wenn er sich größte Mühe gab es nicht zu sein. Naja und dann war da noch eine süße Hündin. „Marianengraben“ war unterhaltsam, an manchen Stellen sehr witzig, an anderen Stellen sehr traurig, einfach rund um gelungen. Deutschsprachige Belletristik kann ja doch ganz toll sein!