18.05.2022

Heute hatte ich wieder Büro-Tag und war schon total erfreut als ich die Tür zum stickigen, warmen Büro öffnete. Aufgrund des Arbeitsschutzes ist es mir nicht möglich, mein Büro morgens mit frischer, kühler Luft ordentlich durchzulüften. Vor meinen Fenster sind Lärmschutzscheiben angebracht, nur zwei kleine Spalte lassen Luft ins Büro. Aber es ist alles gut, denn wenn das Büro leer und ohne einen Menschen ist, sind die CO2 Werte noch gerade so okay! Ich hätte wirklich lieber das in meinen Augen moderate Rauschen der Straße als die ganze Zeit in schlechter Luft zu sitzen und gegen meine Müdigkeit zu kämpfen. Aber Arbeitsschutz! Und ich sitze dann in jenem Büro, verrichte exakt die Arbeiten, die ich Zuhause in meinem kühlen luftigen Büro verrichten würde, brauche aber doppelt so lange, weil ich müde und unkonzentriert bin. Immerhin gibt es etwas Abwechslung beim Plausch mit den Kolleginnen – per Chat und E-Mail.

17.05.2022

Francos Gerissenheit ist immer ein Grund zum lachen. Er geht mir knapp bis ans Knie, sieht aus wie eine Mischung aus Labrador und Dackel, wobei sein Charakter definitiv von letzterem kommt. Franco wird dieses Jahr 7 Jahre alt. Heute war ich also wieder mit einem armen, alten, invaliden Hund unterwegs, der Mitten auf dem Weg stehen blieb, traurig von unten schaute und am liebsten nicht weitergehen wollte. In der anderen Hand Panka, die gerne eine Schlittenhund geworden wäre. Nun ist es so, dass Franco eben nicht besonders alt, noch besonders invalid ist, aber das wissen Außenstehende nicht und ich frage mich, ob ich schon in einem Tweet verwurstet würde, wie ich einen armen alten Hund zum Gassi zwinge. Lässt man aber Franco von der Leine, findet er plötzlich den 5 Gang, rast an einem vorbei, hüpft durch Gräser oder plantscht enthusiastisch in „seinem“ Badebedecken im Stadtwald.
Anders als er lange vortäuschte, kann er auch auf meinen Sessel oder aufs Bett springen und Türen mit der Schnauze öffnen. Aber wozu Türen aufschieben, wenn es dafür Personal gibt? Oder man schaut traurig und vorwurfsvoll, weil der Bürgersteig vom Baumharz klebrig ist, bis dann endlich ein anderer Weg eingeschlagen wird. Und man spielt eben auf dem Gassigang solange den armen alten Hund bis die Menschen genervt oder beschämt die Leine abmachen*. Alles für den Labrackel.

*Bei einem Hund mit Jagdtrieb, einer Staubsauger-Attitüde, Größenwahn und der Neigung Picknicker zu überfallen ist es nicht immer möglich ihn abzuleinen.

16.05.2022

Ich lese aktuell A Little Life von Hanya Yanagihara. Das Buch hatte meine Kollegin schon vor Jahren damit beworben, dass es um 4 Freunde in New York gehe und das Buch echt gut und spannend sei. Komplett unterschlagen hatte sie, dass sehr schwere Themen angesprochen werden (Missbrauch, Selbstverletztung, Krankheit, etc.). So dachte ich die ersten 60 Seiten ziemlich gelangweilt, dass das hier ein slice of life von vier privilegierten Jungs ist, die ein bisschen mit den Finanzen hadern, aber am Ende doch eh groß Karriere machen. Dann wurde es viel spannender, dunkler und irgendwann musste ich einfach nachlesen, was am Ende passiert, weil ich keine weitere 400 Seiten unwissend ausgehalten hätte.

Spoiler sind so eine Sache, wo jede ihre eigene Schmerzgrenze hat. Ich erinnere mich an einige Serien, Filme und Bücher, wo es sehr gut war, dass ich fast nichts im Vorfeld wusste, z.B. Project Hail Mary von Andy Weir. Da waren die Überraschungen toll und angenehm. Ich erinnere mich aber auch an Erzählungen, wo mich Wendungen oder Charakteretode sehr verärgert haben und mir den Spaß komplett nahmen. Ich hätte Battlestar Galactica nicht weiter geguckt, wenn Adama in der dritten Folge tatsächlich gestorben wäre. Manchmal muss ich etwas im Voraus wissen, nicht unbedingt nur Tode, sondern auch, wohin die Geschichte geht. Dann kann ich mich mental vorbereiten, oder, was sehr selten passiert, beende die Serie oder das Buch vorzeitig. Jetzt bin ich jedenfalls vorbereitet auf A Little Life (die Recherche bestätigte meine Vermutung) und kann in Ruhe weiter lesen. Mich interessiert hier der Weg zum Ziel mehr als das Ziel selbst.