[Serie] Domina

Ich mochte ja die HBO Serie Rome, aber hatte nicht wirklich Lust auf eine weitere Serie mit dem Thema bzw. der gleichen Geschichte. Letzteres traf dann nicht zu, denn die Sky-Serie Domina spielt nach Caesars Tod und behandelt die aufstrebende Herrschaft seines Adoptiv-Sohnes, des Octavian/Augustus, erzählt aus der Perspektive der Domina, seiner Frau Livia Drusilla. Während Rome die Rolle von Frauen im antiken Rom nur anschnitt, fokussiert sich Domina mit der weiblichen Hauptfigur auf das Thema, versucht dabei realitätsgetreu und authentisch zu bleiben, so weit es mit unserem beschränkten Geschichtswissen möglich ist. Beispielsweise ist die Rolle der Antigone, einer ehemaligen Sklavin und der besten Freundin Livias, frei erfunden, aber das tut der Serie keinen Abbruch und es ist natürlich realistisch, dass mächtige Frauen wie Livia ihr eigenes Netzwerk an engen Freundinnen und Geschäftspartnerinnen hatten (und natürlich auch eine Menge an Feindinnen). Besonders gut gefallen hat mir, dass Livia eben nicht nur Domina, also eine Hausherrin ist, die alles für ihre Familie macht, sondern ihrer ganz eigenen Überzeugung und Agenda folgt.

Man sollte die Serie nicht nach der ersten Folge abbrechen, diese leidet etwas daran, sehr viel auf einmal erzählen zu müssen. Die zweite Folge ist schon ruhiger und schafft es, die richtige Stimmung zu schaffen. Richtig los geht es erst mit dem Zeitsprung, diesen vollführt die Serie mit einem kompletten Wechsel des Hauptcasts, was erstaunlich gut geklappt hat.

Stelleweise kommt man sich wie in einer Soap-Opera vor, weil jede mit jedem verwandt ist und Patchwork-Familien offensichtlich keine Erfindung des 21.Jahrhundert sind, aber man muss keine umfassenden Kenntnisse der Geschichte Roms haben, um in die Serie abzutauchen. Alles in allem ist Domina eine empfehlenswerte Serie mit einem starken, größtenteils unbekannten, Cast.

[Buch] Exhalation

Mir war gar nicht bewusst, dass es sich bei Exhalation von Ted Chiang um eine Kurzgeschichten-Sammlung handelt, normalerweise kann ich wenig mit Kurzgeschichten anfangen, aber da Exhalation schon auf meinem Kindle gelandet war* und mit 362 Seiten nicht allzu lang ist, habe ich es dann mit geringen Erwartungen gelesen.

Schon die erste Geschichte The Merchant and the Alchemist’s Gate war echt beeindruckend, weil sie das Thema Zeitreisen zwar klassisch erzählte, aber eine andere „Schlussfolgerung“ zog als andere Geschichten. Die titelgebende Geschichte Exhalation hat mich wirklich umgehauen. Sie beschäftigt sich mit dem Sterben und der Endlichkeit, aber von einem ganz anderen Blickwinkel her als ich sie bisher kannte. Auch die anderen Geschichten haben mich alle gut unterhalten und begeistert in ihrer Kreativität, natürlich gefiel nicht jede gleich gut, aber das Niveau blieb trotzdem hoch. Themen der Geschichten sind unter anderem künstliche Intelligenz, Freier Wille, Gedächtnis und Parallelwelten. Wer eher die nachdenklichen, philosophischen Aspekte von Sci-Fi mag, zum Beispiel wie es oft bei Stanislaw Lem der Fall ist, der ist hier absolut richtig. Wobei ich die Geschichten im Gegensatz zu einigen von Lem sehr zugänglich und leicht lesbar finde, sodass man kein Sci-Fi-„Profi“ sein muss, um hier Spaß zu haben.

*Wieso ich die Sammlung auf dem Kindle hatte: eine von Chiangs Kurzgeschichten, Story of Your Life, war die Grundlage für den Film Arrival, der mir sehr gut gefallen hat. Die findet man aber nicht in dieser Sammlung, sondern in der ersten: Stories of Your Life and Others.

[Film] Prospect

Der Sci-Fi-Film von 2018 hatte sich irgendwann auf meine Watchlist bei Amazon Prime verirrt. Sonst habe ich nie etwas von Prospect gehört und ging daher davon aus, dass der Film nicht sonderlich gut sei. Da habe ich mich geirrt. In Prospect landet ein Vater mit seiner Tochter (großartig gespielt von der bisher unbekannten Sophie Thatcher) auf einem bewaldeten, toxischen Planeten, um einen Job zu erledigen. Die Ereignisse überschlagen sich, als die beiden auf Ezra (gespielt von Pedro Pascal) treffen. Es ist keine kitschige Vater-Tochter-Story, wie ich Anfangs vermutete, die Story überrascht an einigen Stellen. Prospect ist ein Sci-Fi-Film der eher „dreckigen“ Art, also keine fancy Technik, sondern eine Optik, die an die ersten Raumfahrtmissionen erinnert. Der Film kommt generell mit wenig aus, die Geschichte spielt größtenteils im Wald, der mit Filtern etwas verfremdet wurde. Besonders gefallen haben mir neben dem world-building auch das Zusammenspiel von Pascal und Thatcher.

Prospect war für mich eine gelunge Überraschung, den Film kann ich nur weiterempfehlen.