[Film] Brain on Fire

Brain on Fire habe ich mir irgendwann auf Netflix gespeichert und da einen für mich sehr interessanten Film ausgegraben. Er basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Susannah Cahalan, die 2009 Symptome eine schwere Psychose bekam. Sie musste zahlreiche Fehldiagnosen über sich ergehen lassen, Ärzte warfen der jungen New Yorkerin vor, zu viel Alkohol zu trinken und Party zu machen und sonst total gesund zu sein. Wer sich überraschen lassen will, der liest nicht mehr weiter, sondern schaut sich den Film an oder liest die Memoiren, hier wurde ein Stück Medizin-Geschichte geschrieben.
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Cahalan hatte Glück, dass der Arzt Dr. Souhel Najjir auf ihren Fall aufmerksam gemacht wurde und sie richtig diagnostizieren konnte, nachdem er sie eine Uhr malen ließ und so der Ursache ihrer Psychose immer näher kam. Ansonsten wäre sie wohl in die Psychiatrie gebracht worden und schnell verstorben, denn sie hatte eine seltene Gehirnentzündung aufgrund einer Autoimmunerkrankung. Der Film stellt am Ende die Frage, wieviele Menschen zu unrecht mit Schizophrenie oder Bipolarer Störung diagnostiziert worden sind, und es sich bei ihnen lediglich um Symptome einer anderen Erkrankung handelte. So stiegen im letzten Jahrzehnt die Diagnosen dieser sogenannten Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis von einigen hunderten Fällen zu tausenden, davon diese zwei Patientinnen, die dank Cahlans Geschichte richtig diagnostiziert wurden. Übrigens: der berühmte Eisbär Knut litt auch an dieser Erkrankung. Wie schon oben gesagt: wer sich für Medizin, insbesondere Neurologie interessiert, sollte den Film anschauen.

[Buch] Die Elenden

Anna Mayr ist 1993 geboren und als Kind von zwei Langzeitarbeitslosen aufgewachsen. Sie weiß wie es ist arm zu sein und zu der untersten Schicht, denen gerne Faulheit und fehlende Bildungs zugeschrieben wird, zu gehören. Ihr Buch Die Elenden ist keine feel good Story von ihrem Aufstieg, sondern eine knallharte Abrechnung mit dem System Arbeitslosigkeit. Mayr liefert viele historische und politische Infos und erklärt, warum wir, die Gesellschaft, Arbeitslose brauchen: um uns gut zu fühlen.

Und es klappt. Man schaue sich an, was gerade in der Weihnachtszeit passiert: Spendenaktionen, Geschenke für Fremde, wer hat die traurigste Geschichte, sodass ich als gütige Spenderin mich am besten fühlen kann, da ich dem Elendsten etwas abgegeben habe? Im Radio läuft beim Aussuchen der besten traurigsten Geschichten Do they know it’s Christmas. Das perfekte Weihnachtslied für dieses Pathos um die Elenden. Mayr erklärt anhand dieses Lieds, was alles falsch läuft. Dabei ist es gleich, ob es um die Kinder aus „Afrika“ geht, die ohne ihre Retter „kein Weihnachten kennen“, oder um die Arbeitslosen, die Armen, in Deutschland, deren Weihnachten von den Gütigen gerettet werden muss.

Nein, Spenden sind an sich nicht schlecht, aber man sollte doch mal in sich gehen und sich fragen, warum und wofür man spendet. Für langfristige Besserung der Spendenempfänger:innen? Egal, ob sie faul, fleißig, gesund, krank, nett oder undankbar sind? Oder doch eher für ein schönes Weihnachtsgefühl und die Dankbarkeit? Bitte weiterbilden und dieses Buch lesen.







[Film] Book Club

Vier erfolgreiche upper class Frauen treffen sich seit 30 Jahren regelmäßig zum Buchclub, bei dem gefühlt eher getrunken und geplaudert, als über die Bücher diskutiert wird. Als sie zum Spaß und natürlich voll ironisch Fifty Shades of Grey lesen, entscheiden sie sich, ihr Leben etwas aufzupeppen. Die eine hatte seit 15 Jahren kein Date mehr, die andere ist frisch verwitwet, die dritte traute sich noch nie eine ernsthafte Beziehung zu und die vierte empfindet ihre Ehe als zu verstaubt. Keine Sorge, das ist kein Film darüber, wie sie alle von Fifty Shades inspiriert ihre kinky Seite entdecken, sondern eine recht harmlose Rom-Com mit prominenter Besetzung (u.a. Jane Fonda, Diane Keaton, Andy Garcia und Don Johnson).

Old people Serien wie Grace & Frankie und The Kominsky Method sind genau mein Ding, da reiht sich Book Club gut ein. Der Film ist keine Meisterleistung, aber hat mich gut unterhalten, ohne dass ich mich allzu sehr darauf konzentrieren musste. Ideal für die ruhige Winterzeit.