[Buch] Project Hail Mary

The Martian von Andy Weir habe ich geliebt und mochte auch die Verfilmung. Weirs zweiten Roman Artemis fand ich ganz ok, er konnte für mich aber nicht an The Martian heranreichen. 2021 ist der neuste Roman von Andy Weir erschienen: Project Hail Mary.

Worum geht’s? Ein Mann erwacht alleine auf einem Raumschiff und muss erstmal Dinge unter Kontrolle bringen, während ständig etwas neues, unvorhergesehenes passiert. So weit erinnert die Ausgangssituation schon an The Martian, beide Hauptcharaktere ähneln sich vom Humor her und sind nicht gerade auf den Kopf gefallen. Ständig geht etwas kaputt, was sie dann trickreich reparieren müssen.

Und wer ist dieser Mann, der sich auf dem Raumschiff befindet? Er weiß es selbst nicht, anscheinend hat ein längeres Koma bei ihm Amnesie verursacht. Nach und nach erinnert er sich, wodurch die Leser*innen in Flashbacks mehr zum Hintergrund der Geschichte erfahren. Man weiß recht schnell, wieso er unterwegs ist und kann sich vorstellen, wie er nun eventuell zu einer Lösung kommt. Und dann gibt es sehr überraschende Wendungen, die ich nicht erwartet hätte und spätestens dann musste ich das Buch verschlingen.

Wie schon bei The Martian gibt es recht viel science-talk, aber man muss nicht alles verstehen, um die Geschichte genießen zu können. Andy Weir hat sich mit seinem neusten Roman selbst übertroffen, ich kann Project Hail Mary absolut empfehlen, nicht nur an Fans von The Martian. Für mich eines der besten Bücher, das ich dieses Jahr gelesen habe.

[Serie] Mare of Easttown

Lange hat mich schon keine Serie mehr so komplett in den Bann gezogen und begeistert wie Mare of Easttown. Man fühlt sich recht schnell, auf positive Art, an Broadchurch erinnert. Auch hier geht es um einen Mordfall, der im Laufe der ersten Folge passiert. Die Ermittlerin Mare Sheenan (großartig gespielt von Kate Winslet) erinnert mit ihrer Verbitterung und Toughness an Alec Hardy aus Broadchurch, und auch in Mare of Easttown lernt man im Laufe der Ermittlungen die Einheimischen und ihre Sorgen und Nöte kennen. Allerdings verkommt die Serie nicht zu einem Klon von Broadchurch, sondern hat ganz eigene Nuancen und Themen. Die Serie spielt in Easttown, einem Vorort von Philadelphia, der (zumindest in der Serie) nicht dem klischeehaften Suburb-Ideal entspricht. Die Leute kommen über die Runden, es scheint eine feste Community zu geben, aber auch viele Probleme, wie Drogensucht und Teenager-Schwangerschaften.

Mir hat der ungewöhnliche Erzählstil besonders gut gefallen. Die Handlung kommt schon in der Mitte der Serie zu einem Höhepunkt – natürlich weiß man aufgrund der Spielzeit sofort, dass es nicht das Ende sein kann. Ähnlich ergeht es einem bei der letzten Folge. Was das Ende betrifft, bin ich mir noch immer unsicher, ob das, was bei mir ankam, wirklich die Intention der Produzent*innen (eine davon Kate Winslet) war, aber letztendlich bleibt es natürlich den Zuschauer*innen selbst überlassen, was man vom Ende hält.
Jedenfalls: Mare of Easttown ist eine ganz spannende, exzellent gemachte Serie, die ich am liebsten in einem Rutsch angeschaut hätte. Kann ich nur weiterempfehlen.

[Serie] Domina

Ich mochte ja die HBO Serie Rome, aber hatte nicht wirklich Lust auf eine weitere Serie mit dem Thema bzw. der gleichen Geschichte. Letzteres traf dann nicht zu, denn die Sky-Serie Domina spielt nach Caesars Tod und behandelt die aufstrebende Herrschaft seines Adoptiv-Sohnes, des Octavian/Augustus, erzählt aus der Perspektive der Domina, seiner Frau Livia Drusilla. Während Rome die Rolle von Frauen im antiken Rom nur anschnitt, fokussiert sich Domina mit der weiblichen Hauptfigur auf das Thema, versucht dabei realitätsgetreu und authentisch zu bleiben, so weit es mit unserem beschränkten Geschichtswissen möglich ist. Beispielsweise ist die Rolle der Antigone, einer ehemaligen Sklavin und der besten Freundin Livias, frei erfunden, aber das tut der Serie keinen Abbruch und es ist natürlich realistisch, dass mächtige Frauen wie Livia ihr eigenes Netzwerk an engen Freundinnen und Geschäftspartnerinnen hatten (und natürlich auch eine Menge an Feindinnen). Besonders gut gefallen hat mir, dass Livia eben nicht nur Domina, also eine Hausherrin ist, die alles für ihre Familie macht, sondern ihrer ganz eigenen Überzeugung und Agenda folgt.

Man sollte die Serie nicht nach der ersten Folge abbrechen, diese leidet etwas daran, sehr viel auf einmal erzählen zu müssen. Die zweite Folge ist schon ruhiger und schafft es, die richtige Stimmung zu schaffen. Richtig los geht es erst mit dem Zeitsprung, diesen vollführt die Serie mit einem kompletten Wechsel des Hauptcasts, was erstaunlich gut geklappt hat.

Stelleweise kommt man sich wie in einer Soap-Opera vor, weil jede mit jedem verwandt ist und Patchwork-Familien offensichtlich keine Erfindung des 21.Jahrhundert sind, aber man muss keine umfassenden Kenntnisse der Geschichte Roms haben, um in die Serie abzutauchen. Alles in allem ist Domina eine empfehlenswerte Serie mit einem starken, größtenteils unbekannten, Cast.