[Film] Marriage Story

Weil der Film Marriage Story von 2019 für so viele Preise nominiert wurde und mit bekannten Gesichtern wie Scarlett Johansson und Adam Driver besetzt ist, habe ich mir den mal auf Netflix angeschaut.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Charlie ist ein erfolgreicher Theater-Regiesseur am Broadway, seine Frau Nicole ist Schauspielerin. Die beiden wollen sich scheiden lassen, möglichst unkompliziert und ohne dass ihr 8jähriger Sohn viel mitbekommt. Dann schlägt die Realität ein und es entbrennt fast ein Krieg. Marriage Story zeichnet das Bild einer Scheidung, in der beide Parteien keinen Hass füreinander empfinden, aber in dem sich hochschaukelndem Scheidungsprozess ihre schlechtesten Seiten zeigen und drohen unterzugehen.

Der Film ist gut gemacht, die schauspielerische Leistung von Johansson und Driver hervorragend, ich kann verstehen, wieso Marriage Story so positiv bewertet wurde. Das einzige Manko für mich war, dass ich mit dem Thema Scheidung so gar nichts anfangen kann, erst recht nicht mit so pompösen, superteuren Scheidungen wie in den USA und der Film stellenweise echt deprimierend ist. Es ist keine Tragikomödie, wie es die deutsche Wikipedia betitelt, sondern ein Drama, aber insgesamt ein guter Film über das Thema.

[Film] Border / Gräns

Border (schwedisch Gräns) ist von 2018 und ein schwedischer Fantasyfilm von Ali Abbasi. Ich wusste nicht viel darüber, nur dass es um eine Grenzbeamte geht, die „Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern“ kann und diese Gabe eines Tages bei einem Mann nicht klappt. Ich hatte ganz andere Erwartung als die Richtung, die der Film dann einschlug, zwischendurch Angst, dass es eine Romanze ist, aber das ist nur ein Element des Films. Letztendlich war ich positiv überrascht und hab die Story mit Spannung verfolgt. Zurecht hat Gräns einige Preise abgeräumt, die Schauspieler*innen überzeugen sehr, der Film bietet viele Überraschungen und mal einen innovativen Fantasyplot. Schaut mal rein, wenn ihr Lust auf Fantasy habt.

Allerdings bitte beachten, dass es eher dark fantasy ist, einige Stellen eklig sein mögen oder schwer im Magen liegen.

[Buch] The Heart Goes Last

Das Buch von Margaret Atwood (bekannt durch The Handmaid’s Tale) ist 2015 erschienen, das schon in Kurzgeschichten online veröffentlicht wurde. Die dystopische Geschichte handelt von Stan und Charmaine, die nach einer Weltwirtschaftskrise im Auto leben und gerade so über die Runden kommen. Als sie eine Werbung für Consilience sehen, einem besonderen Wohnprojekt, bewerben sie sich sofort. Das Projekt bietet ein sauberes, sicheres Umfeld, jedem einen Job und ein Haus. Dafür müssen sie nur jeden zweiten Monat nach Positron, einem Gefängnis. Während sie dort sind, lebt ein anderes Paar in ihrem Haus. Stan und Charmaine können ihr Glück gar nicht fassen, doch dann fangen sie an, sich zu sehr mit ihren Tauschpartner*innen zu befassen, obwohl der Kontakt streng verboten ist.

Ich kenne zwar nur The Handmaid’s Tale von Atwood, aber habe irgendwie das Gefühl, dass The Heart Goes Last eins von Atwoods schlechteren Bücher ist. Es ist eine solide Dystopie mit einer interessanten Idee, die sich verzwickende Geschichte ist überraschend und spannend, aber irgendwie wollte es nicht bei mir zünden. Vielleicht liegt es daran, dass Charmaine und Stan total unsympathisch sind und es im Lauf der Geschichte nicht besser wird. Die dystopische Welt von Consilience/Positron ist ganz interessant, allerdings kamen zur Mitte hin weitere Elemente zu der Geschichte hinzu, die ich total unpassend fand. Alles wirkte irgendwie unrund. Vielleicht liegt es an der besonderen Form der Veröffentlichung als Kurzgeschichten. Insgesamt ist The Heart Goes Last nicht schlecht, es liest sich gut weg, aber es ist auch kein must-read.