[Buch] Everything I Never Told You

Das Buch Everything I Never Told You von Celeste Ng hatte mir eine Freundin empfohlen, nachdem ich die Serie Little Fires Everywhere gesehen habe, deren Grundlage das gleichnamige Buch von Celeste Ng ist. Auch Everything I Never Told You könnte ich mir gut als Serie vorstellen.

Marilyn and James Lee leben den Vorstadttraum eines jeden amerikanischen Pärchens in den 70er Jahren. Haus, drei Kinder, er angestellt als Professor, sie eine Hausfrau. Doch eines Tages verschwindet ihre 16jährige Tochter Lydia und wird kurze Zeit später tot aufgefunden.

Everything I Never Told You erzählt die Geschichte der Familie Lee, in Rückblenden angefangen bei Marilyn, typische US-amerikanische blonde Schönheit, die sich in den 50er Jahren mehr erhofft als eine Hausfrau zu werden, und James, der als Kind chinesischer Einwanderer nur eins möchte: nicht auffallen. Die Erzählung wechselt in den Zeitebenen, erzählt mal von den jungen Eltern, mal von Lydia und dann weiter in der Gegenwart, wo Lydias Tod die Familie in tiefe Trauer versetzt. Es ist kein Krimi, sondern ein generationsübergreifendes Portrait einer mixed race family, wo Themen wie Mikroaggressionen (natürlich damals nicht unter dem Namen bekannt) und ein unsicheres Selbstbild eine große Rolle spielen.

Mir hat Everything I Never Told You äußerst gut gefallen, ich kann es allen empfehlen, die die oben genannten Themen interessant finden, einen großartigen Schreibstil mögen und vielleicht gerade Lust haben etwas leicht trauriges zu lesen, denn in der Familie sind alle ein bisschen fertig mit der Welt. Es ist aber nicht so deprimierend wie bei A Little Life, wo man nach jedem dritten Absatz weinen könnten.

Ich habe das Buch auf Audible auf Englisch gehört und kann es wärmstens weiterempfehlen, die Sprecherin ist wirklich großartig und schafft es jedem Charakter eine eigene Stimme zu geben.

[Buch] My Sister, the Serial Killer

Das Erstlingswerk von Oyinkan Braithwaite wurde 2018 veröffentlicht, spielt in Lagos und handelt von zwei Schwestern, von denen eine gerade den dritten Mann in ihrem Leben umgebracht hat, so also offiziell eine Serienmörderin ist. Das Buch ist kurzweilig, besonders positiv fand ich die sehr kurzen Kapitel, die beim Kindle eine Lesezeit von 1-3min haben. Anders als der Titel vermuten lässt, geht es hier nicht in erster Linie um Kriminalfälle, auch nicht um das Morden, sondern um die Beziehung der beiden sehr verschiedenen Schwestern Korede und Ayoola. Humoristische Aspekte tragen deren Charaktere bei, Korede ist eher pragmatisch und sarkastisch, die Mörderin Ayoola flapsig und leichtlebig, sodass sie es Korede etwas schwer macht, die Morde ihrer Schwester zu vertuschen.

My Sister, the Serial Killer ist ein interessantes Buch mit einer guten Mischung an Themen und Stimmungen, für alle geeignet, denen die Prämisse zusagt und die eine schnelle Lektüre suchen.

[Buch] 10 Steps to Nanette

Nanette war das erstes Comedy-Special, das ich auf Netflix gesehen habe. Hannah Gadsby war mir komplett unbekannt, aber wie viele andere Zuschauer*innen war ich sofort in den Bann gezogen von Hannahs und Nanettes Dekonstruktion von Stand-Up-Comedy. Wer sich mehr für den Schaffensprozess dahinter, Hannahs Weg hin zu Nanette und vielleicht auch für etwas geschichtliche Hintergründe zu Tasmanien (Insel, australischer Bundesstaat und früher besonders LGBT-feindlich), dem ist 10 Steps to Nanette ans Herz zu legen. Es ist lustig und kurzweilig, aber auch traurig und traumatisch, so wie man es von Nanette kennt.
Und jetzt muss ich mir nochmal Nanette ansehen, bevor ich im Herbst dann hoffentlich Hannahs neue Show live sehen darf.